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UOB - Ultima Online Bibliothek -: Lambert in Britannia - Kapitel V
 
 

ambert in Britannia

Wer sieht schon gerne seinen Schlachter?

 

Ein Lich ist ein Monster in Menschengestalt mit einem höhnischen Gelächter. Ein solcher tauchte plötzlich direkt neben Lambert auf. Kurz darauf sandte der Lich einen Feuerball gegen Lambert, der ihn schwer verwundete. Während Graf Avatar Lambert heilte, versuchten sie beide den Lich gemeinsam zu besiegen. Kurz darauf ging ein Blitz auf Lambert nieder und für Lambert begann es wirklich brenzlig zu werden, doch glücklicherweise wirkte kurz darauf die heilende Bandage von Graf Avatar. Als nächstes wurde Lambert durch den Lich vergiftet. Er nahm sofort ein Gegengift ein, das er tags zuvor in einem Ettin gefunden hatte. Dieser Lich erwies sich als äußerst zäh. Die Sekunden des Kampfes dehnten sich unendlich bis der Lich in einer großen Feuerkugel endlich starb. Die Beute war beträchtlich. 250 Goldstücke für einige Sekunden Kampf waren auf diesem noch so jungen Shard ein richtiges kleines Vermögen. Doch das Risiko war hier auch sehr groß. Denn kaum war der erste Lich besiegt erschien einige Schritt entfernt der nächste Lich. Und der griff wieder Lambert an, der sich vom vorangegangenen Kampf noch nicht richtig erholt hatte. Doch dank Graf Avatars Bandagen und ihrem gemeinsamen, entschlossenen Einsatz besiegten sie auch den nächsten Lich. Mit jedem Lich wurden ihre Kampftaktiken besser und vor allem wuchs ihr Stolz bereits solch schwere Gegner besiegen zu können. Der Lich Raum würde für sie beide eine wahre Goldgrube werden.

 

In kurzer Zeit gelang es den beiden insgesamt fast 10000 Goldstücke zu horten. Einen einzigen Lich würden sie noch erlegen, dann zögen sie heim und hätten einen wesentlichen Schritt hin zu ihrem Haus in Britannia gemacht. Genau in dem Moment erschienen fünf Spieler im Lich-Raum. Alle waren sie rot, also PKs und ihre Absicht war ganz eindeutig. Einer von ihnen war wiederum Schlachter. Horst versucht den Beginn einer Erklärung, versuchte sich zu erkennen zu geben, da stirbt Lambert bereits in den E-Bolts der Angreifer. Alle gesammelten Schätze der letzten Stunden waren weg. Graf Avatar und Lambert zogen als Geister zurück nach Delucia und ließen sich dort vom Heiler wiederbeleben. Horsts Wut auf Schlachter war enorm. Ob er ihm am Montag im Geschäft sagen sollte, wen er da gemeuchelt habe und sollte er ihn bitten die Beute zurück zu geben? Je länger Horst darüber nachdachte, um so lächerlicher erschien ihm der Gedanke. Es ist doch alles nur ein Spiel, und man sollte Real Life und Spiel strikt trennen. Horst fiel ein, wie er im Stern darüber gelesen hatte, wie andere Spieler von Spielsucht befallen wurden. Das würde ihm nie passieren. Er arbeitet in der EDV-Branche. Er hat einen ganz rationalen Beruf. Er kann ganz klar zwischen Realität und Fiktion trennen. Wenn Schlachter ihm im Spiel schadet, so wird er sich auch im Spiel dafür revanchieren!

 

Am Sonntag Morgen traf Lambert in Papua wieder auf Graf_Avatar. Der berichtete ganz stolz: "Lambert, während Du gepennt hast, habe ich die Website von CE geknackt, vor allem deren internes Diskussionsforum!"

"Wer ist denn CE?" wieder eine dieser Abkürzungen im Spiel. Wann würde er endlich alle diese Begriffe kennen?

"Criminal Elements, natürlich! Die Gilde, die uns im Lich-Raum überfallen hatte. Der Abschaum des ganzen Shards in einer einzigen Gilde zusammengefaßt. Und an deren intimste Informationen kommen wir jetzt heran!"

"Und was gibt es da Tolles zu lesen?" wollte Lambert wissen.

"Jetzt sind wir immer darüber informiert, was die so vorhaben und können denen auflauern! Außerdem steht da, daß die deutschen Spieler dieser Gilde nächstes Wochenende ein Real Life Treffen haben. Sogar ganz bei Dir in der Nähe, in Aachen. So ein Real Life Treffen werden wir auch veranstalten, wenn wir unsere eigene Gilde haben."

"Was passiert denn auf so einem Treffen?" Horst war mehr als neugierig.

"Zum einen lernen sich endlich mal alle kennen, die sich ja sonst nur online sehen. Manch knackige Online-Blondine hat sich bei solchen Treffen schon als Bartträger erwiesen, hehe." Jedem war klar, daß es online 4 mal so viele männliche wie weibliche Spieler gab und mancher weibliche Charakter im Spiel von einem männlichen Spieler gespielt wurde. Ob hier manche ihre Travestie-Träume auslebten?

"Ich habe schon Treffen erlebt, " schwärmte Graf_Avatar weiter, "bei denen sich jeder Real Life so gekleidet hatte wie im Spiel, manche mit Schwert und Schild. Das Allerschärfste war eine österreichische Spielerin namens Pussy, die im Spiel so eine sexy female Plate trägt. Die kam mit einem genauso geschnittenen Latexteil. Ich wußte bei dem Treffen gar nicht wo ich die ganze Zeit meine Augen lassen sollte, hehe."

Horst stellte sich gerade Tanja in einem solchen Teil vor, ein sehr erregender Gedanke. Ob er Tanja dieses Spiel mal zeigen sollte, vielleicht würde es ihr ja auch gefallen?

"Aber viel wichtiger noch ist," fuhr Graf_Avatar fort, "daß man die PCs direkt nebeneinander stehen hat während man spielt. Die Kommunikation ist dann einfach viel besser. Du weißt ja selbst wie lange es dauert etwas ein zu tippen. Das ist viel schneller gesprochen. Am kommenden Wochenende werden wir uns vor den CEs sehr in acht nehmen müssen."

 

"Nun, Herr Schweigert, ich hatte Ihnen ja für heute eine Überraschung versprochen und das ist auch der Grund, weshalb ich Sie heute zu mir gebeten habe. Ich darf Ihnen schon vorab sagen, daß es die Chance sein wird, auf die Sie schon so lange gewartet haben. Erlauben Sie mir vorab nur die Frage, ob Ihre Probleme der vergangenen Woche - es waren doch gesundheitliche Probleme, oder? - wieder vollkommen auskuriert sind?" Sein Chef gab sich wie immer sehr interessiert, doch irgendwie hatte man meistens den Eindruck als würden ihn die Probleme seiner Mitarbeiter nicht wirklich interessieren, auch dann nicht wenn er sich danach erkundigt. Auch heute machte es den Anschein als habe er andere Gründe als bloßes Interesse für das Befínden seiner Mitarbeiter.

"Oh, danke, der Magen, wissen Sie. Aber alles wieder in Ordnung! Danke der Nachfrage"

"Nun, Herr Schweigert," irgendwie begann er immer seine Sätze mit Nun, Herr Schweigert, eine alte Marotte von ihm, "Sie baten letzten Monat um eine Gehaltserhöhung, nicht zuletzt weil ja auch ein freudiges Ereignis im Zusammenhang mit Ihrer Lebensgefährtin bevorstehe, und da konnte ich Ihnen noch nichts konkretes anbieten." Das war eine sehr vornehme Beschreibung, tatsächlich war es damals eher eine schroffe Ablehnung gewesen. Ein Frust, der Horst die Arbeit ziemlich vermiest hatte und als kleinen Trost hatte er sich damals ein Computerspiel gekauft . . .

"Nun, Herr Schweigert," schon wieder dieser Satzanfang, ob ihm das nicht selber auffiel? "Sie sind einer unserer fähigsten Mitarbeiter und ich mag es, wenn jemand Ehrgeiz zeigt, etwas erreichen möchte. Sie wissen wie sehr ich solches Engagement hier im Hause gerne fördere und ganz besonders freue ich mich, gerade Ihnen heute ein wirklich interessantes Angebot unterbreiten zu können. Das wird Ihnen auch für Ihre familiären Absichten den erforderlichen finanziellen Spielraum bieten können."

Ja, Horst hatte sich wirklich nach einer besser bezahlten, aber auch in der Sache anspruchsvolleren Arbeit gesehnt. Seine jetzigen Aufgaben waren alles andere als besonders abwechslungsreich. Die Hoffnung auf eine andere Position war in letzter Zeit das einzige gewesen, was ihn noch in dieser Firma gehalten hatte. Außerdem hätte eine andere Stelle bei einem Wettbewerber bedeutet, daß Horst von Aachen wegzuziehen hätte, weg von Tanja, die ihrerseits beruflich an Aachen gebunden war. Nur hier im Klinikum sah sie für sich Aufstiegsmöglichkeiten, da die Spezialgeräte auf denen sie speziell ausgebildet worden war, in kleineren Krankenhäusern kaum anzutreffen sein würden.

"Nun, Herr Schweigert," diesmal konnte Horst ein Lächeln über diese dauernde Wiederholung kaum unterdrücken, "hier ist die Chance für Sie. Sie wissen bestimmt, daß wir letzte Woche den IBM-Auftrag bekommen haben!" Die ganze Firma redete von nichts anderem mehr und natürlich hatte Horst durch sein Fehlen den aus diesem Anlaß gegebenen Sektumtrunk in der Firma versäumt. "Eigentlich wollten wir ja Herrn Müller mit der Federführung in diesem Projekt betrauen, doch leider ist er in dem Thyssen-Projekt noch lange unabkömmlich. Ich hatte deshalb an Sie gedacht. Na, was halten Sie davon?"

Horsts zögern muß ihn wohl irritiert haben, denn alsbald setzt er fort ohne länger Horsts Meinung abzuwarten: "Nun, Herr Schweigert, das ist Ihre große Chance. Natürlich wirkt sich das für Sie auch finanziell sehr deutlich aus. Ich muß nicht erwähnen, daß die Firma von Ihnen in diesem Projekt vollen Einsatz erwartet, aber ein junger Mann wie Sie wird da doch sicherlich kein Problem haben. Jung und unabhängig. Ach wenn ich doch nur nochmals in Ihrem Alter sein könnte. Ihre Lebensgefährtin wird stolz auf Sie sein!"

Was hätte Horst sich noch vor 4 Wochen über dieses Angebot gefreut. Er wäre vor Freude an die Decke gesprungen. Seine Karriere - Aufstiegschance! Mehr Gehalt. Eigenständiges Arbeiten, nicht nur Zubringerdienste und bei der Größe des Projektes bekäme er sicherlich auch noch einen der Neuen als Assistenten zugeteilt. Endlich hatte er das wovon er so lange geträumt hatte. Einen Augenblick gab er sich dem Glücksgefühl hin, doch sehr rasch kehrte wieder Ernüchterung ein. Dieses neue Projekt würde bedeuten, daß er kaum mehr Zeit hätte Ultima Online zu spielen. Er würde täglich abends lange arbeiten müssen und wenn der Chef das schon so formuliert, dann werden wohl auch seine Samstage dran glauben müssen. Mindestens! Der Termindruck gerade dieses Projektes war in der ganzen Firma hinreichend bekannt. Trotzdem hatte Horst noch vor einigen Wochen Harry Müller um dieses neue Projekt beneidet. Sogar als sein Assistent hätte er in diesem Projekt arbeiten wollen, weil es so viel interessanter war als seine bisherige Arbeit. Nun wo Horst alles erreicht zu haben schien, wovon er bisher nur hatte träumen können, nun schien es ihm wie eine neue Bürde, etwas, was ihn von noch wichtigeren Aufgaben unnötig abzuhalten schien. Natürlich würde er nicht absagen können und so heuchelte er: "Sie wissen ja gar nicht wie glücklich Sie mich mit dieser Berufung machen. Ich werde gleich heute Abend mit Tanja darüber sprechen und lasse Sie unsere Entscheidung gleich morgen wissen."

"Nun, Herr Schweigert, gehen Sie mit ihr heute Abend in den Quellenhof. Dort wird ein Tisch für Sie und Ihre Partnerin reserviert sein. Trinken Sie mit ihr ein Gläschen auf das neue Projekt. Genießen Sie den Abend mit ihr. Erklären Sie ihr aber auch, daß solche Abende nun etwas seltener sein werden, da dieses Projekt und der damit verbundene Termin für uns alle so ungemein wichtig sind."

"Oh, herzlichen Dank, ich weiß gar nicht wie ich Ihnen dafür danken soll." Horst war wirklich überrascht, ja beeindruckt. Diese großzügige Geste war für seinen Chef wirklich nicht alltäglich. An diesem Projekt mußte ihm wirklich viel gelegen sein.

"Nun, Herr Schweigert, Sie sollen wissen, daß ich in diesem Projekt voll und ganz auf Sie baue und heute Abend werden Sie die Möglichkeit haben, diese Bedeutung im angemessenen Rahmen auch Ihrer Lebensgefährtin erklären zu können. Sie wird doch sicher Verständnis dafür aufbringen, daß Sie sich in der nächsten Zeit ganz vorrangig Ihren beruflichen Interessen widmen werden?"

"Ja, selbstverständlich. Das werde ich ihr schon begreiflich zu machen wissen. Schließlich haben wir ja Pläne, die dadurch erst finanziell machbar werden!"

"Es freut mich außerordentlich, daß auch Sie das so sehen. Ich bin davon überzeugt, daß Sie der Richtige für dieses Projekt sind. Und ich muß Ihnen ja nicht erst erklären welches Renomée Sie sich damit in unserem Hause aber auch darüber hinaus erwerben werden?"

 

Horst ging den Adalbertsteinweg entlang. Seit langem durften Geschäfte noch nach 18:30 Uhr geöffnet haben, aber nur wenige machten davon wirklich Gebrauch. Viele leere Geschäfte zeugten davon, daß inzwischen die Gewerbegebiete draußen vor der Stadt mehr Umsätze verzeichneten als die Fußgängerzonen in der Innenstadt. Er war bereits erfolglos bei zwei Juwelieren gewesen und nun setzte er seine ganze Hoffnung in dieses kleine Geschäft.

"Guten Tag, ich suche zwei Ringe für eine Verlobung. Aber ich müßte sie noch heute graviert bekommen, es ist wirklich sehr dringend!" Horst hoffte inständig, daß er nicht wieder bezüglich der Gravur auf den nächsten Tag vertröstet werden würde.

"Nun, dann schauen Sie sich mal diese Ringe hier an. Soll es ein einfacher Ring sein oder darf er einen Stein haben?"

Als Horst die Preise der Ringe mit Stein sah, fiel ihm die Entscheidung leicht. "Es ist ein Verlobungsring, da nimmt man doch eher etwas schlichtes, nicht wahr?"

"Das gilt zwar eigentlich nur für den Ehering, aber natürlich, auch ein schlichter Ring kann von hohem Wert sein. Es zählen doch viel mehr die symbolischen Werte, nicht wahr?" Der Verkäufer, ein älterer Herr, war sehr einfühlend. Horst fühlte sich hier gut aufgehoben. Aus dem umfangreichen Sortiment entschied er sich für zwei identische Ringe aus Weißgold und ließ in beide "Tanja & Horst" gravieren.

"Soll ich auch ein Datum dahinter setzen? Das ist durchaus üblich?" Der Juwelier wollte ihm wirklich eine Hilfe sein und er beriet wirklich gut und doch zurückhaltend. Aber darüber hatte Horst noch gar nicht nachgedacht. Würde er wirklich heute Abend den Mut haben sie zu fragen? Nachdem er sie am Samstag versetzt hatte, könnte ihn heute ein wahres Donnerwetter erwarten und möglicherweise wäre sie überhaupt nicht in Stimmung für eine solche Frage. Dann wären Ringe mit dem heutigen Datum sehr unglücklich!

"Nein, bitte nur die Namen", entschied sich Horst.

Er war sehr glücklich nun doch noch die Ringe bekommen zu haben. Der Verkäufer war der Goldschmiedemeister dieses Unternehmens selbst und so konnte er die Ringe eigenhändig sofort gravieren. Als Horst die Ringe in einem edlen Etui in der Hand hielt fühlte er sich bestens vorbereitet für den Abend mit Tanja.

 

Tanja war begeistert mit Horst Essen gehen zu dürfen und dann auch noch in den Quellenhof, eine der ersten Adressen in Aachen. Tanja stand ganz besonders auf solches Ambiente. Beide setzten sich an den vom Büro für sie reservierten Tisch und als unaufgefordert Champagner serviert wurde wollte Horst schon abwinken.

"Herr Schweigert, der Champagner wurde von Ihrer Firma für Sie bestellt. Man möchte, daß Sie den heutigen Abend genießen und ich soll Ihnen ausrichten, Sie sind natürlich beide eingeladen!" Nicht nur Tanja, auch Horst war sehr beeindruckt. Und so war der Übergang zum eigentlichen Thema, dem Grund für dieses Abendessen sehr einfach:

"Der Chef hat das hier arrangiert, um Dich davon zu überzeugen, daß es notwendig ist, daß ich in nächster Zeit sehr viel mehr arbeite und wir beide uns deshalb 3 Monate lang nur noch wenig werden sehen können!" Horst erwartete, ja hoffte auf Tanjas entschiedenen Widerspruch an dieser Stelle.

"Was ist das für ein Projekt?" fragte sie statt dessen nur interessiert.

"Ich habe in einem von der IBM an uns übertragenen Projekt ein virtuelles Kaufhaus im Internet zu realisieren. Dort wird man Tag und Nacht einkaufen können. Dieses Projekt steht unter starken Termindruck. In den nächsten 3 Monaten werden wir uns wohl kaum sehen können und auch unsere Wohnung können wir erst danach suchen!" Horst glaubte in diesen Satz alles provokativ untergebracht zu haben. Das mußte Tanja einfach auf die Palme treiben. Sie müßte jeden Augenblick explodieren, ihm die Unmöglichkeit dieses Handelns vor Augen führen.

"Du wirst Dich dadurch auch finanziell verbessern?" Mit dieser Reaktion hatte Horst nicht gerechnet. So kühl und berechnend kannte er Tanja gar nicht. Sonst dachte sie nur an ihre gemeinsame Zeit und an die Wohnung. Mit Eltern und Schwiegereltern wurde sogar schon relativ offen über Heirat im nächsten Jahr gesprochen und jetzt war das alles für sie kein Thema mehr und sie interessierte sich nur noch dafür, ob er dadurch mehr verdiene. Für einen Moment verschlug es Horst die Sprache.

"Nun ja, ich bekomme einen eigenständigen Aufgabenbereich, vielleicht sogar einen Assistenten und auch deutlich mehr Geld, wobei der Chef noch keine genauen Zahlen genannt hat . . ."

"Und damit Du mich überzeugst hat uns Dein Chef heute Abend hierhin eingeladen? So einen super Chef hätte ich auch gerne einmal. Das Projekt muß für die Firma ja irre wichtig sein. Ich bin ganz stolz auf Dich! Die 3 Monate sind rasch um und danach können wir viel leichter eine Wohnung finden, die uns gefällt, wenn wir nicht ganz so sehr auf das Geld achten müssen." Sie war alles andere als niedergeschlagen über eine bevorstehende 3-monatige Fast-Trennung. Sie war sogar in einer ausgesprochenen Hochstimmung. Horst hätte alles erwartet nur das nicht. Insgeheim hatte er doch gehofft, sie würde heftigst protestieren und ihm den Grund liefern sich in der Firma nicht zu stark einspannen zu lassen, so daß ihm mehr Zeit für Ultima Online geblieben wäre.

"Horst, ich bin ja so stolz auf Dich!" Tanja strahlte.

Horst hielt dies für den geeignetsten Augenblick: jetzt oder nie! Er stand auf und ihm entging nicht die Verwunderung auf Tanjas Gesicht als er um den Tisch herum auf sie zuging und sich vor sie hin kniete. Das ganze Restaurant konnte ihn sehen, aber das war ihm in diesem Moment völlig egal. Für ihn zählte nur seine Tanja.

"Tanja, Du weiß, ich liebe Dich über alles in dieser Welt", bei diesen Worten ergriff er ihre Hand. "Wir sind nun schon so viele Jahre zusammen und da wollte ich Dich fragen", er zögerte als wollte er ihre Antwort auf seine Frage vielleicht schon aus ihrem Gesicht ablesen bevor er die Frage ausgesprochen hätte. "Tanja, möchtest Du meine Frau werden?"

"Ja", mehr sagte sie nicht, die Tränen rollten ihr über die Wangen. Zumindest das schien Horst nun wirklich gelungen zu sein. Er holte das Etui aus seinem Jackett und steckte ihr einen der beiden Ringe auf den linken Ringfinger.

"Der Juwelier sagt, Du kannst ihn jederzeit bei ihm noch in der Größe anpassen lassen, falls er nicht passen sollte." Natürlich hatte er vorher bei Tanja nicht Maß nehmen können.

"Oh, Horst, ich bin ja so glücklich!" Tanjas Tränen kullerten über ihre Wangen und gleichzeitig lächelte sie über das ganze Gesicht.

Horst saß schon wieder auf seinem Platz als Tanja immer noch den Ring betrachtete.

"Damit können wir dann doch wirklich bald heiraten und vielleicht werden wir dann ja nächstes Jahr eine richtige Familie, ich meine zu dritt . . ." Tanja war ganz offensichtlich in ihre Träume versunken und Horst spielte eine Hauptrolle darin.

"Deine Karriere geht voran, wir werden mehr Geld haben und wir beide werden heiraten sobald Du Dein Projekt hinter Dich gebracht hast. Damit machst Du mich zur glücklichsten Frau auf dieser Welt."

Ihm fiel die Reihenfolge auf in der sie diese Punkte nannte. Karriere und Geld waren die erst genannten Punkte. So geldgeil kannte er seine Tanja bisher noch gar nicht. Tanja machte es sich wahrlich einfach. Er war also ihr Mittel zum Zweck. Geld verdienen und Kind zeugen waren also die ihm zugedachten Aufgaben. Horst war schockiert. Tanja interessierte es überhaupt nicht, ob er diese Aufgabe wirklich übernehmen wollte, ob er denn bereit wäre 3 Monate Verzicht zu üben. Das schien für sie keine Frage. Er hatte zu funktionieren und seine anderen Verpflichtungen waren ihr egal. Sie konnte nichts von seinem Interesse für Ultima Online wissen, aber sie hätte wenigstens etwas mehr zeigen können, daß sie vor allem seine Entscheidung respektieren würde. Statt dessen begann sie laut davon zu träumen, was sie sich nun alles leisten könnten, wo er jetzt den Karrieresprung geschafft habe:

"Ich habe Samstag im Küchenstudio eine tolle Küche gesehen. Die mußt Du Dir unbedingt mal ansehen. Sie ist ein Traum. Samstag dachte ich noch, wir würden uns das vielleicht nie erlauben können, aber jetzt werden wir sie uns wohl leisten können, oder?" Sie sprach von nichts anderem mehr. Sie gab sein Geld bereits aus bevor er es verdient hatte. Der Hummer, den sie bestellte war das Teuerste auf der Karte, aber sie kommentierte es nur mit den Worten: "Wenn Dein Chef einmal zahlt, dann wollen wir es auch richtig ausnutzen. Ich werde in den nächsten Wochen ja auch einiges entbehren müssen," und bei diesen Worten kam ihr unbeschuhter Fuß an seinen Oberschenkeln entlang gekrochen. Es war ihm peinlich. Solches Verhalten in einem so feinen Restaurant geziemte sich einfach nicht. Sie war völlig aufgedreht. All das hätte er ihr wirklich bisher nicht zugetraut.

 

Er wollte sie nach Hause bringen, aber ihre Reaktion war mehr als eindeutig und sie duldete offensichtlich keinen Widerspruch: "Wir gehen zu Dir. Heute hat Dein Projekt noch nicht begonnen. Ab morgen leihe ich Dich Deinem Chef aus, aber heute gehörst Du noch voll und ganz mir. Du kannst gleich schon mal die Erfüllung Deiner ehelichen Pflichten üben!"

In seinem kleinen Apartment kam sie ohne Umschweife sofort zur Sache. Sie hatten seit Jahren immer mal wieder zusammen Sex gehabt, aber irgendwie bedurfte es immer einiger Überzeugung. Sie zierte sich jedes Mal und ohne langes Vorspiel, das ihr Spaß machen mußte, gab es keinen Sex. Heute war es völlig anders. Sie zog ihn aus, wobei sie so ungestüm vorging, daß sogar ein Knopf von seinem Hemd abriß. Während sonst jedem intimeren Kontakt zwischen beiden ein mindestens 5-minütiger Badezimmeraufenthalt von ihr vorausging drückte sie ihn diesmal ohne Umschweife auf das Bett. Als er auch begann sie langsam zu entkleiden entwand sie sich, schubste ihn energischer auf das Bett, zog sich blitzschnell selbst aus und setzte sich auf ihn. Das hatte nichts mit der Romantik zu tun, auf die sie sonst so großen Wert legte. Die Missionarsstellung war bisher das einzige was sie praktiziert hatten und der Geschlechtsakt war immer wie eine Belohnung für sein langes, intensives und zärtliches Bemühen im Vorfeld. Das heute war einfach nur animalischer Sex. Sie war wild und ausgelassen. Wie oft hatte er davon geträumt, daß sie endlich einmal etwas aktiver sein möge. Er war mit ihr vor Jahren einmal in einen Sexfilm gegangen, um sie etwas in dieser Richtung zu animieren. Alles war ohne Erfolg. Und nun, wo sie aktiver war als er es sich je erträumt hätte, da war es ihm irgendwie auch nicht recht. Das war nicht die Tanja, die er bisher kannte. Wie eine einzige Nachricht eine Frau verändern konnte. Als er endlich kam beendete sie noch längst nicht ihre Aktivitäten und die nächsten Sekunden waren für ihn äußerste Anspannung bis auch sie endlich ihren Höhepunkt erreichte.

"Ich habe übernächste Woche meine Tage und werde dann die Pille nicht mehr nehmen!" Das war keine Frage! Sie hatte es entschieden und zum wiederholten Male duldete an diesem Abend die Art und Weise in der sie das sagte keinen Widerspruch. Er küßte sie und das reichte ihr als Antwort.

 

Natürlich brachte er sie noch nach Hause. Tanja wohnte noch bei ihren Eltern. Sie mochte keine langen Nächte auf dem schmalen Bett in seinem Appartement und früher hat er es immer bedauert, daß sie nicht über Nacht blieb. Hinaus in die Kälte zu müssen, um sie mitten in der Nacht heimzubringen, vor allem aber sie nicht mehr neben sich spüren zu können verursachte ihm fast körperlichen Schmerz. Heute war er froh, daß sie heim wollte, denn auf seinem Schreibtisch wartete eine andere Aufgabe, die er heute völlig vernachlässigt hatte: Ultima Online.

 

Tanja wohnte in Burscheid in dem fast villenartigen Gebäude ihrer Eltern. Vor ihrer Haustüre angekommen parkte er kurz auf der falschen Straßenseite, ging um sein Auto herum, öffnete die Beifahrertüre und so standen sie beide mitten auf der Straße als sie ihre Arme um seinen Hals legte und sie sich beide innigst küßten. Sie war wirklich die schönste Frau, die er sich vorstellen konnte. Immer war sie von allen begehrt worden, aber er hatte sie damals erobern können und ihm hatte sie den Vorzug vor allen anderen gegeben. In diesem Augenblick konnte er sich kaum vorstellen, daß ein lächerliches Computerspiel ihn vorhin noch hatte anspornen können sie möglichst rasch heimzubringen. So, in seinen Armen, zu ihm aufschauend, das war die Tanja die er liebte.

Plötzlich hupte ein Wagen. Sie hatten ihn gar nicht bemerkt, so versunken waren sie ineinander. Zwischen den auf beiden Seiten parkenden Autos kam dieser Wagen kaum durch, weil sie mitten auf der Straße standen. Der Fahrer des Wagens kurbelte das Seitenfenster herunter und wollte beginnen zu schimpfen, unterbrach sich aber sofort selbst und meinte statt dessen nur: "Hallo Lambert! Das ist riskant was Ihr beide da macht. Ich hätte Euch beinahe nicht gesehen" Sie traten zur Seite und der Wagen fuhr weiter. So ein Zufall. Schlachter hier und das um diese Uhrzeit.

"Wieso Lambert?", wollte Tanja wissen.

"Ach, sicher nur eine Verwechslung!"

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