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Alt 12.01.2015, 23:30   #16
Branwir
Geselle
 
Benutzerbild von Branwir
 
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Beiträge: 280
Renommee-Modifikator: 0 Branwir ist auf gutem Wege
Branwir eine Nachricht über ICQ schicken
Valenduil saß am Rand des großen Plateaus und ließ die Beine baumeln.
Seine Augen suchten unruhig die Umgebung ab. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst, zumal er immer noch erwartete, dass bald noch mehr Harpyen auftauchen würden.

Er blickte den steilen Hang hinab.
Unten am Fuß des Berges sah er eine Gestalt, die wild mit den Armen gestikulierte und außerdem etwas zu rufen schien.
Er spitze seine elfischen Ohren und lauschte.
Plötzich sprang er hastig auf, als er begriff, wer dort unten auf sich aufmerksam machen wollte und rannte zu Garon, der in der Höhle mit den Armen verschränkt an der Wand gelehnt auf ein Lebenszeichen von Branwir wartete.

Der alte Elf zog fragend eine Augenbraue hoch, als Valenduil hereinpreschte.

"Garon...ihr glaubt nicht, wer dort unten am Berg steht!"
"So...wer denn....?"
"Der Schmied....Branwir!"
"Was? Das gibt es nicht...!"

Beide eilten zu der steil abfallenden Kante und blickten hinab.
Valenduil ließ ein Seil runter und machte sich auf den Weg, um Branwir zu holen.

Einige Zeit später standen sie wieder vereint vor der Höhle.

"Das ist sehr seltsam", murmelte Garon nachdenklich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass euer Großvater diese Gänge erschaffen hat. Selbst wenn er Hilfe hatte, warum hätte er die alte Ruine als Ausgang nehmen sollen? Ich vermute eher, dass er die Höhle durch Zufall entdeckt hat und sie ursprünglich einem anderen Zweck die..."

"Darüber können wir ein anderes Mal nachgrübeln...kommt, wir verlieren wertvolle Zeit", fuhr Branwir dieses Mal ungedultig dazwischen.
Er betrat erneut die Höhle und öffnete den Zugang zu dem versteckten Raum mit seinem Amulett.

Garon und Valenduil folgten ihm in den kleinen Raum.

"So...das ist also die Truhe..." Garon näherte seine Hand vorsichtig dem magisch verschlossenen Behälter. "Ich kann es spüren...sie ist in der Tat mit einem Schutz versehen - sogar einem sehr starken."

"Könnt ihr den Schutz aufheben?" Branwir blickte nervös auf die Truhe.

"Ich werde es versuchen." Garon breitete seine Hände über der Truhe aus, schloss die Augen und murmelte leise vor sich hin. Branwir und Valenduil starrten beide gebannt auf die Kiste.

Es dauerte nicht allzu lange und ein seltsames Summen erfüllte den Raum.
Garon öffnete mit einem Lächeln auf den Lippen die Augen.

"Damit wäre der Schutz aufgehoben." Er beugte sich hinab und versuchte die Truhe zu öffnen.

"Verschlossen....", murmelte er.

"Tretet bitte beiseite..." Valenduil trat mit einem Messer in der Hand vor. "...ich werde es hiermit versuchen."
Er hantierte eine Weile mit dem Dolch an dem Schloss herum, bis Branwir irgendwann mit gernervtem Gesichtsausdruck sein Schwert zückte, den Elf an der Schulter beiseite schob, und die Klinge mit voller Wucht zwischen Korpus und Deckel der Truhe stieß.
Er drückte die Klinge ungeachtet des Inhalts der Truhe bis zum Anschlag vor und trat dann kräftig gegen den Deckel der Truhe.

Mit einem Scheppern riess der Riegel der Truhe aus dem Holz und fiel zu Boden.

"So macht man das", brummte Branwir und öffnete den Deckel der Truhe.

Garon beugte sich seufzend hinab.
"Nur gut, dass der Inhalt eurer rohen Gewalt stand gehalten hat!" Garon untersuchte die Gegenstände in der Truhe mit prüfendem Blick.
Es war nicht verwunderlich, dass der Truheninhalt Branwirs Schwert überstanden hatte.
Insgesamt lagen nur drei Gegenstände in der Truhe, die gerade eben den Boden der Truhe ausfüllten: zwei kunstvoll verzierte, elfische Schwerter, die sorgfältig in ein rotes Tuch eingehüllt waren und ein schlicht aussehendes Buch.

Branwir nahm mit ehrfürchtigem Blick eines der Schwerter aus der Truhe und wendete es vor seinen Augen.
Das war es, was er sich eigentlich unter Schmiedekunst vorstellte. Er seufzte und legte das Schwert wieder behutsam an seinen ursprünglichen Platz zurück.
Garon hingegen schien sich weit mehr für das Buch zu interessieren.
Er untersuchte den Einband vorsichtig, als erwarte er weitere Schutzzauber und schob dann seine Finger vorsichtig unter den Buchdeckel, um es zu öffnen.

"Wieder ein Zauber", schnaufte Garon. "Ich bekomme es nicht auf!"

Er legte das Buch auf den verstaubten Schreibtisch, ließ seine rechte Hand über dem Buch schweben und murmelte wieder leise unverständliche Worte.
Nach einer halben Ewigkeit ließ er seine Hand erschöpft sinken.

"Ich...ich schaffe es nicht. Kein Zauber zeigt Wirkung."

Branwir näherte sich dem Tisch und griff nach dem Buch.
In dem Moment, als seine Finger den Buchdeckel berührten, passierte etwas seltsames.
Zwischen seinen Fingern und dem Buch, bildete sich eine grünlich schimmernde Aura, die sich langsam über das Buch ergoß und plötzlich klappte der Deckel des Buches wie von selbst auf.

Garon lachte begeistert auf. "Ein schlauer Elf, eurer Großvater...das muss ich sagen!"

Branwir nahm das Buch und begann neugierig darin zu blättern, drückte es dann aber gleich wieder Garon in die Hand.

"Hier...in elfisch geschrieben", erklärte er enttäuscht.

Garon lächelte kurz, schaute sich prüfend in dem Raum um und setzte sich auf einen alten, von Holzwürmern durchlöcherten Stuhl, den er in einer Ecke erspähte.
Er begann konzentriert die Seiten zu überfliegen. Je weiter er kam, desto sehr verfinsterte sich seine Miene.

"Was steht dort drin...etwas über schwarze Magie...etwas das uns endlich weiterbringt?" Branwir scharrte unruhig mit dem Fuß über den staubigen Fußboden.

"Nein...nicht direkt...es ist...das Tagebuch eures Großvaters..." Garon runzelte ernst die Stirn.
"Aber hört am besten selbst."

Ich bin mit meinen Forschungen einen großen Schritt weitergekommen. Wenn es mir
tatsächlich gelingt, einen direkten Zugang zu den Ahnen zu finden, kann uns das womöglich
eine vollkommen neue Sicht auf unser Volk vermitteln.


Garon las die Zeilen mit unruhiger Stimme vor und wirkte nervös.
Plötzlich blickte er Valenduil an, der immer noch neben Branwir im Raum stand.

"Würdet ihr bitte wieder draußen Wache halten?"

Valenduil nickte knapp und folgte wortlos seiner Bitte.

Garon blickte wieder ernst in das Buch und blätterte einige Seiten weiter.
"Hier ist eine Passage, die sich offensichtlich auf ein Gespräch zwischen eurem Großvater und Nadines Vater bezieht." Garon las weiter vor.

Ich kann ihn nicht davon überzeugen, welche Vorteile es uns bringen würde, wenn wir die
Ahnen direkt um Hilfe bitten könnten. Er warf mir vor, mit den Ahnen zu "spielen" und dass
mein Handeln eines Elfen unwürdig sei. Die Ahnen würden zu uns sprechen, wenn sie es für
nötig hielten und dabei sollte man es belassen, hat er mir an den Kopf geworfen.
Dennoch werde ich meine Forschungen weiterführen...ich kann nicht anders.


Garon holte tief Luft und blätterte einige Seiten weiter.

An diesem Tag ist es mir nach Jahren der Forschung endlich gelungen, mit Hilfe des uralten
Rituals, eine direkte Verbindung zu den Ahnen herzustellen. Aber das Band zwischen uns ist sehr
dünn und es fällt mir schwer, die verschiedenen Stimmen auseinader zu halten...


Garon hielt wieder inne, holte tief Luft und las eine weitere Stelle vor.

Ich habe es geschafft! Ich habe heute einen direkten Kontakt zu einem meiner Ahnen
aufgebaut. Er gab sich mir deutlich zu erkennen und nannte seinen Namen...Talandir, der
Urgroßvater meines Vaters. Leider ist die Verbindung nach kurzer Zeit abgebrochen, aber
ich werde es wieder versuchen!


Garon viel es merklich schwerer, die Texte vorzulesen. Branwir konnte nur ahnen, was ihm zu schaffen machte und hörte weiter aufmerksam zu.

Ich bin froh, dass ich meine Forschungen nie aufgegeben habe. Heute offenbarte mir
Talandir ein Geheimnis, dass die Zukunft unseres Volkes in seinen Grundfesten erschüttern wird.


"Hier ist eine Stelle, Branwir, die euch bekannt vorkommen dürfte. Er beschreibt sehr detailiert, sein Vorhaben, Nadines Vater ein weiteres Mahl von seiner Sache zu überzeugen und wie alles in einem Streit endet."

Er will mich einfach nicht verstehen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nur so gehandelt habe, weil
es mir die Ahnen gesagt haben. Dennoch reagierte er mit Unverständnis und machte mir
unmissverständlich klar, dass er mir nicht mehr vertrauen würde.
Ich weiß aber, dass mein Weg der richtige ist und werde nicht wieder umkehren - nicht nach
all den Opfern, die ich erbracht habe.
Leider hat er mir mein Amulett abgenommen wodurch ich nun dazu gezwungen bin, diesen
Raum in einer anderen Gestalt zu betreten...


"Hm...meint ihr, er ist durch diesen Spalt an der Wand hindurch gekommen?" Branwir betrachtete den engen Spalt im Licht seiner Fackel.

"Womöglich", erwiderte Garon und blätterte weiter in den vergilbten Seiten.
"An dieser Stelle berichtet er davon, dass seine Frau aus früheren Tagen seinen Forschungen ebenso kritisch gegenüber stand und ihn daher verlassen hat. Außerdem erwähnt er hier eure Mutter..."

Heute war ein schwarzer Tag. Nyra äußerte ihre Zweifel an meinen Vorhaben und drohte
mir an, mich zu verlassen...wenn jemand meine Motive verstehen sollte, dann sie...


"Und hier ist noch eine weitere Passage", ergänzte Garon.

Sie hat mich heute nach einem langen Streit wutentbrannt verlassen, mein eigen Fleisch
und Blut! Zudem drohte sie mir an, den Hohen Rat von meinem "Irrglauben", wie sie es
nannte, in Kenntnis zu setzen!


"Eurer Großvater Ferandil beschreibt dann, was ihm Talandir alles offenbarte. Er versuchte ihn davon zu überzeugen, dass eine große Gefahr auf unser Volk verborgen im Dunkeln lauern würde, was Ferandil nur darin bestärkte, dass er richtig gehandelt hatte.
Aber hört selbst..."

Talandir beschwor mich, ein weitertes Ritual durchzuführen, dass mir ermöglichen
sollte, unseren Geist dauerhaft zu verbinden, damit ich er sein ganzes Wissen mit mir teilen kann.


Der alte Mentor schob seinen Finger zwischen die Seiten und las eine weitere Passage vor.

Heute werde ich das Ritual durchführen. Ich habe alle Gegenstände dafür zusammengetragen, die
Worte der Macht habe ich verinnerlicht und die Verbindung zu Talandir ist stark wie nie!


Branwir lief unruhig im Raum hin und her.

"Und was kommt dann, irgendwelche besonderen Hinweise auf das Ritual?"

"Nein...zumindest gibt es keinen Hinweis darauf, wie es vonstatten ging", antwortete Garon zögernd und fuhr sich nervös durchs Haar. Aber dafür etwas...anderes...

"Nun lest schon weiter...!" Branwir ahnte, dass das, was der Elf als nächstes vorlesen würde, nichts Gutes verheißen würde.

Garon vertiefte sich wieder in den Text...

Er hat mich betrogen...bei den Ahnen...ich hätte auf sie hören sollen...
Talandir ist kein Ahne von mir...er ist ein DÄMON!


Branwir, der das unheilige Ritual aus seinem Traum vor Augen hatte, das ihm seine Mutter gezeigt hatte, nickte nur stumm.

...ich habe die Ahnen wiederholt um Hilfe angefleht, dass sie mir einen Hinweis geben
mögen, wie ich mich von dem Dämon befreien soll. Tatsächlich habe ich eine Antwort erhalten.
Der Dämon ist ihnen nicht unbekannt gewesen...er ist ein Dämon des Hasses und des Zornes und
sein wahrer Name ist Dur'Arkon. Sie sagten mir, dass das Wissen seines wahren Namens mir die
Macht geben würde, mich von ihm zu befreien.


Garon seufzte tief und blickte Branwir an.

"Er war also im Grunde gar nicht schlecht, mein Großvater, sondern folgte dem Irrglauben, er müsste das Volk der Elfen retten", murmelte Branwir.

"Es weist alles darauf hin...aber hört euch die nächste Stelle an."

Ich spüre wie er versucht, die Gewalt über meine Gedanken zu übernehmen...fühle die
geballte Wut und den Zorn, die die "Zweifler" über die Jahre in mir genährt haben.
Er scheint sich von meiner negativen Energie zu ernähren. Ich habe die Befürchtung, dass
das auch das eigentlich Motiv seines Betruges ist...er will mich nicht töten, sondern meine Seele
vergiften, um selber an Macht zu gewinnen.
Noch bin ich Herr meiner Gedanken, aber ich muss umgehend den Hohen Rat informieren...
sie müssen etwas unternehmen...irgendjemand muss dieses "Ding" aus mir heraus holen!
Ich habe Dur'Arkon bei seinem wahren Namen genannt, aber alles was ich erntete war Hohn
und Spott. Wahrscheinlich muss jemand anderes seinen Namen aussprechen, damit seine Macht
gebrochen wird...


"Hm...und der Hohe Rat hat ihm nicht geholfen?"
"Nein...es gab ein anderes Problem", anwortete Garon und las den Text weiter vor.

Nun ist es soweit...er hat die Kontrolle über meine Zauber erlangt! Als ich mich in die Gestalt
eines Raben verwandeln wollte, um mein Versteck zu verlassen, misslang der Zauber. Der Dämon
hat mir ein Gefägnis gebaut, dem ich nicht entfliehen kann. Der Hang ist zu steil, als das ich ohne
Hilfsmittel hinunter gelangen könnte und die Tür nach außen, kann ich ohne mein Amulett nicht
mehr verlassen.


"Auf den nächsten Seiten wird die Schrift immer ungelenker und undeutlicher. Zum Ende seines Tagebuches kommt aber ein wichtiger Hinweis darauf, wie man den Dämon zusätzlich schwächen könnte...", ergänzte Garon und blickte Branwir mit einem Hauch von Hoffnung in seinem Gesicht an.

"Dann lest doch vor...worauf wartet ihr?"

Garon widmete sich wieder dem alten Text.

Heute ist etwas seltsames geschehen. Vor der Höhle begann es zu regnen. Ich ging hinaus, um
mich zu waschen, als ein Blitz am Horizont erschien. Kurz darauf habe ich starke Emotionen von der
Bestie in mir wahrgenommen, die ich als nackte Angst beschreiben würde. Er drängte mich dazu, wieder
in die Höhle zu gehen.
Ich kann meine Aufzeichnungn nur vervollständigen, wenn Dur'Arkon ruht. Es gibt Phasen, in denen er
seine Kräfte sammelt...danach sind seine Angriffe auf meinen Geist immer sehr stark. Ich habe in einer
dieser Phasen versucht, mich in einen Greifen zu verwandeln, um zum Hohen Rat zu entkommen, aber er
wurde wach dabei. Seltsamerweise scheint er noch keine Macht über meine Hände oder den Rest meines
Körpers zu haben, sonst könnte ich meine Worte nicht zu Papier bringen...aber wie lange noch...


Branwir begann allmählich wieder Mut zu fassen, als er dem Text seines Großvaters weiter lauschte.

Ich habe mir in einer seiner Ruhephasen einen Plan überlegt. Vor einigen Jahren habe ich eine Truhe
erworben, die unter Zuhilfenahme spezieller Reagenzien und magischer Substanzen, magisch versiegelt
werden kann. Wenn ich scheitere und Dur'Arkon meinen Geist übernimmt, wird er mit Sicherheit meine
Unterlagen vernichten wollen. Daher muss ich sofort handeln und aufpassen, dass er mein Vorhaben nicht
erkennt und den Plan vereitelt. Ein großer Vorteil ist, dass ich immer meine Schwierigkeiten damit hatte, diese
Art von Schutzzaubern zu wirken und auch zu bannen. Welcher Wächter musste auch jemals zuvor irgendwo
einbrechen...
Ich werde nun meinen Plan in die Tat umsetzen und mein Buch schließen. Danach wird es nur noch jemand
zerstören oder mit meinem Amulett öffnen können.
Wenn meine Aufzeichnungen in die falschen Hände geraten, könnten sie großen Schaden anrichten.
Womöglich würde jemand die Situation ausnutzen und mich nicht befreien, sondern stattdessen den
Dämon für niedere Zwecke unter seine Kontrolle bringen.
Ich habe die geringe Hoffnung, dass Nyra irgendwann unser Familienamulett zurückerhalten wird und
mein Versteck findet, auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist.
Mögen die Ahnen ihr den Weg weisen...


"Es scheint, als habe der Plan meines Großvaters funktioniert. Ferandil hat demnach die Kiste mit dieser elektrischen Energie aufgeladen, damit Dur'Arkon nicht an das Buch gelangt und der Dämon konnte aus Mangel an entsprechenden Fähigkeiten den Schutzzauber nicht bannen. Nur hat meine Mutter sein Versteck entweder nie gefunden oder hat es gar nicht erst gesucht", folgerte Branwir.

Garon nickte zustimmend, klappte das Buch zu und reichte es Branwir.

"Ihr solltet unverzüglich zu Nadine aufbrechen...."

Branwir griff nach dem Buch und schob es unter das Lederwams seiner Rüstung.

"Hm...ihr wollt nicht mitkommen?" Branwir hatte damit als letztes gerechnet.

"Nein...ich denke, dass ist eine Aufgabe für einen jungen Wächter und nicht für einen alten sturen Elf", erwiderte Garon und drückte Branwir versöhnlich mit der Hand auf die Schulter.

"Passt auf sie auf..."

Geändert von Branwir (13.01.2015 um 22:05 Uhr).
Branwir ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.01.2015, 14:31   #17
Nadine
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Renommee-Modifikator: 14 Nadine ist auf gutem Wege
Kampf gegen die Zeit

Es war noch in der Nacht die Dämmerung hatte bereits eingesetzt.
Branwir berührte Nadine sachte am Arm. Sie hatte wieder einen dieser schlimmen Alpträume die sie plagten seit sie von diesem Unwesen Verletzt wurde.“ Nadine…“Sei Blick war wieder voller Sorge wie schon die ganze Zeit seit seine Seldi der er zu bewachen hatte so schwer verletzt wurde Sie öffnete langsam ihre Augen sie hatten schon seit Tagen ihren Glanz verloren auch ihre sonst so kräftige Elfische Aura war nur noch ein müdes dahin flackern schwach und matt. Die junge Elfe wusste eben so wie Branwir das Hrorr aus Bloodhaven wahre Worte sprach über Ihre Wunde und dessen Verlauf bei ihrem letzten Besuch in Bloodhaven. Sie wussten das die Zeit drängte und sie sich dem „Dhaza Dioy „ Was übersetzt in der Sprache der Menschen „Das Namenlose Tor „ hieß Stunde um Stunde näherte.
Das dunkle wabbern der Wunde schien sich mit jedem Tag weiter aus zubreiten und langsam aber sicher den zierlichen Körper der Elfe einzunehmen. Sie seufzte wider leise auf als der Schmerz sie wieder überkam.“ Seldi ….wir sollten los.“ Drängte Branwir die junge Elfe.
„Wir müssen nach Bloodhaven zu diesem Hrorr und dem Mädchen.“
Nadine hörte seine Worte aber sie klangen sehr weit weg von ihr entfernt aber sie reagierte nicht auf seine Worte. Branwir packte sie an den Schulter in seiner Stimme klang Verzweiflung und Furcht.“ Verdammt Nadine, du MUSST sonst stirbst du!“ Dabei schüttelte er sie. Das war wieder einer dieser Momente wo man merkte das Branwir sich seiner Kraft nicht ganz bewusst war als er die zerbrechlich wirkende Elfe schüttelte.
Sie Schluckte trocken und raffte sich auf. Die Templer des RI-Ordens hatten sie im Haus des Gouverneurs von Vesper untergebracht bis der Bau ihres Tempels abgeschlossen war. Sie blickte ihn an mit weiten Augen als sie so rüttelte. Er hörte sofort damit auf als er ihren Blick merkte.
Etwas verlegen weichte er ihrem Blick aus und half ihr dann sich Reisefertig zu machen und sie begaben sich auf direkten Weg nach Bloodhaven. Die Reise verlief ohne weitere Vorkommnisse.


Nadine und Branwir erreichten das Fürstentum und man sah der jungen Elfe die Anstrengung der Reise merklich an, ihr Zustand verschlechterte sich stetig. Die beiden kamen am der Magieakademie vorbei und liefen Elena direkt in die Arme. Das temperamentvolle Mädchen mit den feuerroten Haaren blickte beide mit offenem Mund an und schluckte trocken als sie Nadine sah wie mitgenommen sie seit dem letzten Besuch aussah.“ Verdammter Dreck!“ brach es aus ihr heraus.“ Sie sieht ja schrecklich aus!“ Danach begrüßte sie sie beiden erst.
„Kommt bringt sie zu Hrorr, folgt mir.“ Sagte sie sichtlich erschrocken und führte die beiden in den Palast vom Bloodhaven.
Der Palast war in der Halle leer.“ Wo zum Teufel ist dieser Tunicht?“ fluchte Elena leise vor sich hin.
„Das haben wir gleich.“ Sie ging zu dem Thron vom Fürsten Baal Draco stellte sich auf Zehenspitzen und zog sich auf den Thron. Elena wusste es das Hrorr es jedes Mal merkte wie auch immer wenn sie das tat und sich jedes Mal maßlos darüber aufregen zu schien. Elena würde lügen wenn sie nicht zugeben würde dass sie es genoss ihn in Rage zu sehen. Sie horchte auf als sie von oben ein Geräusch hörte. Schnell rutschte sie vom Thron.“ Ich geh oben nachsehen“ sagte sie flüchtig zu Nadine und Branwir eh sie die Treppe nach oben Eilte.
Das junge Mädchen hoffe das Baal oben war, zurück von seiner Reise. Aber sie wurde enttäuscht, es war Hrorr der sich an einem dicken Buch im Regal zu schaffen machte es herausnahm und darin blätterte. Elena hielt einen Moment Inne und beobachtete ihn still.
„Was willst du?“ fragte er sie mürrisch ohne sich zu ihr umzudrehen. Währe nicht Besuch aus Trinsic hier währ das ganze wieder in ein Desaster ausgebrochen wie jedes Mal wenn Elena und Hrorr aufeinander trafen. Bis jetzt blieb es immer nur bei Wortgefechten aber Elena spürte das es wohl nicht dabei bleiben würde.“ Du hast Besuch.“ sagte sie eben so mürrisch als sie seinen Anblick ertragen musste.
„Wer ist es?“ Der Wortwechsel der beiden war knapp und nur das nötigste wurde gesprochen.
„Die aus Trinsic sie sieht sehr schlecht aus.“ Drehte sich den um und ging einfach, alleine schon um ihn klar zu verstehen zu geben das sie vor ihm kein Respekt hatte.

„Er kommt gleich“ sagte sie wieder lächelnd zu den beiden und setzte sich gerade Extra auf den Thron um Hrorr zu reizen.
Es dauerte nicht lange und Hrorr kam die Treppe hinab. Sein Blick stolz und arrogant wie immer. Als er Elena auf dem Thron sitzen sah wie sie die Füße entspannt baumeln ließ bekam der gute Hrorr für einen Moment eine regelrechte Gesichts Entgleisung. Das man gut unter der Kapuze erkennen konnte, die er immer auf hatte. Elena wusste nicht wieso aber vielleicht würde sie es einmal herausfinden was er für einen Kult mit dieser Kapuze betrieb “ ELENA!! runter sofort oder ich lasse sich einsperren!!“ fuhr er sie an sehr ungehalten.
Elena zu ihm „Du trauriges Ausgang einer Liebesgeschichte zwischen einem Frosch und einem Imp DU hast mir har nichts zu sagen.“ Sie bewegte sich dann leichtfüßig vom Thron und stellte sich zu Nadine und Branwir als sie es erreicht hatte was sie wollte.



Branwir tratt hervor und begrüßte Hrorr und erzählte ihm von seiner Reise und dem Ergebnis was er aus Ilshenar dabei hatte.
Branwir: Der Dämon hat eine Schwäche, er reagiert sehr empfindlich auf Blitze das konnte ich aus den Aufzeichnungen meines Großvaters entnehmen.
Branwir atmete tief durch man merkte ihm an das ihm die Tatsache das gerade SEIN Großvater darin verstrickt war so gar nicht behagte.
Branwir: Uns bleibt nur eine Möglichkeit den Dämon zu erlegen.
Wir müssen ihn wo hinlocken wo er keine Chance hat sich weg zu teleportieren! Es darf kein Loch und kein Spalt in dem Raum sein der ihm die Möglichkeit gibt zu flüchten.

Hrorr der sich inzwischen auf den Thron gesetzt hatte betrachtete die junge Elfe nachdenklich.
Hrorr: Sie sieht schlecht aus wie wird nicht mehr lange am Leben sein.
Nadine schluckte trocken und stand nur da wie weggetreten. Kein Wort verließ ihre Lippen.
Sie hatte ihre Augen geschlossen und in Gedanken“: Ai…ich werde sterben denn gegen diese Magie ist meine relative Unsterblichkeit nicht gewappnet.
Demon, du scheinst dunkler als die Nacht, du bist älter als das Licht. Du dringst ein, betäubst den Geist .Du verdunkelst mein Gemüt du verführst und du entweihst. Du erscheinst in meinem Traum. Du liebkost mein reines Herz. Ich frage dich nur eins WARUM! Warum gerade ich?.
Die junge Elfe wurde aus den Gedanken gerissen als sie die Hand von Branwir an ihrer Schulter spürt und wie er sie voller Sorge anblickte.“ Nadine alles in Ordnung?“
„Ich habe solch durst“ sagte sie leise und schluckte wieder trocken.

Hrorr, charmant wie er immer war zu Elena“ Bring ihr was zu trinken.“ In einem Befehlston der das junge Mädchen schon wieder erregte und es sich zeigte in dem der Thron auf dem Hrorr saß zu wackeln anfing.“ Lass das!“ fuhr er sie an. Währe es nicht um die Leute aus Trinsic gegangen hätte sie sich nicht so einfach weg schicken lassen.
Sie dachte an Baals Worte“ Ruhe , Gelassenheit und Geduld“ atmete tief durch.


„Aye“ sagte sie und eilte die Treppe hoch in das Arbeitszimmer von Baal , denn Elena wusste dass er da meist einen Wein hatte den er immer genüsslich trank wenn sie bei ihm war. Was Elena nicht wusste das es alles andere als Wein war.
Hastig griff sie das Glas mit der roten Flüssigkeit die sie für Wein hielt und eilte nach unten und reichte den Kelch Nadine.
„Danke“ sagte Nadine entkräftet nahm den Kelch und führte ihn an ihre Lippen.
Bevor sie aber ein Schluck trinken konnte reichte sie hastig den Kelch Branwir, drehte sich um und rannte aus dem Haus hinaus.
Alle 3 blickten ihn überrascht nach. Branwir schaute den Kelch an und fragte die beiden Bloodhavener was das für Wein sei.

Hrorr schien zu wissen was sich in dem Kelch befand.“ Ich denke das ist der „Wein“ des Fürsten.“
Elena nickte.“ Aye den hat er immer oben.“ Hrorr und Branwir eilten dann Nadine hinter her nach draußen und Elena nahm den Kelch und ging wider die Treppe damit hoch ihn zurück zu stellen von wo sie ihn genommen hatte,
Branwir fand Nadine an eine große Tanne er hat noch mitbekommen das sie sich übergeben musste.
Er stützte sie wieder und Hrorr sagte sie sollte sich in der Taverne etwas ausruhen und trinken. Die drei gingen zu der Taverne und setzten sich an die Bar,Nadine bekamm erst mal einen Krug Wasser den ihr Hrorr bestellt hatte. Sie blickte sich nicht weiter um was wohl auch besser war den dieser Ort war alles andere als ein jener an dem sich eine junge Elfe aufhalten sollte, überall lagen auch hier Gebeine und Schädelknochen herum und andere Dinge dessen Herkunft man gar nicht erst wissen wollte. Branwir fühlte sich hier auch ziemlich unwohl was Hrorr wohl auch zu merken schien aber dazu nichts sagte.
Hrorr: Was habt ihr nun vor?
Branwir: Ich denke die einzigste Chance an den Dämon zu kommen das er in einen Raum gelockt wir, und er dann mit Blitze vernichtet wird.
Branwir: Ich weiß nur nicht wie viel Magiere benötigt werden dafür“ Er blickte dabei Hrorr fragend an der Nadine nachdenklich betrachtete.
In der zwischen Zeit kam Elena bei der Tür herein und setzte sich auf einen der Hocker und schaute Nadine sorgevoll an.
Hrorr: Wir werden sie hier“ dabei nickte er in Elenas Richtung.“ mit nehmen müssen, solange sie sich unter Kontrolle hat.“
Man konnte die Luft zwischen den beiden regelrecht knistern hören. Branwir blickte Elena einen Moment forschend an dann auf Nadine.
Branwir: Wir müssen Nadine als Köder hinlegen denn sie ist es was der Dämon will, wir müssen in direkter Nähe bleiben und sie schützen wenn er kommt.
Elena: Aber wenn er sie erwischt sie ist doch so wehrlos.“
Branwir: Deswegen müssen wird nah bei ihr sein um sie zu schützen.
Nadine hatte sich mit dem Körper auf die Theke gelegt so kraftlos war sie geworden.
Hrorr: Ich kenne ein paar Höhlen im Osten da können wir hin, sie haben nur einen Eingang.
Branwir nickte: Dann lasst uns Nadine gut einpacken damit sie nicht so in der feuchten Höhle liegt.

Alle standen auf und Branwir stützte die junge Elfe die nun so weit geschwächt war das sie nicht mehr alleine stehen konnte. Hrorr war schon nach draußen verschwunden und Elena und Branwir warteten vor der Taverne auf Hrorr. Es dauerte nicht lange und er kam zurück mit einer dicken Wollrobe für Nadine eine Decke und ein paar Fackeln. Hrorr merkte das Nadine kaum ansprechbar noch war und schüttete ihr ein Glas kaltes Wasser in das Gesicht was er von der Taverne noch dabei hatte. Branwir bekam auch ein paar Wasserspritzer ab und blickte Hrorr vorwurfsvoll an.
Hrorr: Verzeiht, aber es ist nötig das sie wach bleibt. Versicherte er entschuldigend,
Branwir der dabei war Nadine das Gesicht trocken zu wischen.
Branwir setzte Nadine auf sein Pferd und führte es hinter Hrorr nach. Elena ging neben Nadine her und hielt ihr Bein das sie nicht vom Pferd rutschte. Sie gingen einige Minuten bis sie die besagte Höhle erreichten.

Hrorr zeigte Branwir die Höhle und er blickte sich um.
Branwir: Schein gut zu sein ihr kümmert euch um Nadine ich suche alles ab das sie auch wirklich dicht und alles zu.
Hrorr blickte dem jungen Mann nach und half Elena dann das Lager für Nadine zu richten.
Es grenzt schon fast an ein Wunder das die beiden so friedlich zusammen agierten.

Sie legten den weichen Schlafsack aus und Hrorr hob die Elfe vom Pferd auf das Lager und legte sie vorsichtig ab. Elena deckte sie dann gut zu mit den mitgebrachten Decken und steckte ein paar Fackeln um die Stelle.
Elena: Wird sie es schaffen?“ Leise zu Hrorr und man merkte in ihrer Stimme die Furcht das Nadine sterben würde..
Hrorr: Wird sich zeigen, das „Gift“ frisst sich immer weiter in sie hinein.
Elena: Aber warum denn?
Hrorr: Vielleicht soll sie sein Kind austragen.
Elena blickte Nadine an dann wider zu Hrorr: Ach quatsch die ist doch so dünn.
Hrorr musste über ihre Aussage schmunzeln: Nein Nein, es währe dann in ihr und würde sich an ihrem Körper laben und ernähren bis sie tot ist.
Die eigensinnige Magierin verzog angewidert das Gesicht bei dem Gedanken:
Hrorr: Wenn der Demon kommt, blicke ihm NICHT in die Augen hörst du?
Sie nickte mit dem Kopf.“aye“ohnw ihm zu widersprechen.
Hrorr trat an das Lager zu Nadine und blickte sie an sein Blick war voller Mitleid und auch seine Stimme hatte nicht diesen harten Tonfall wie sonst.“ Armes Geschöpf“ sagte er leise.
Elena zog eine Braue hoch und blickte ihn komisch an. Was hatte er nun erwischt das er mal nicht so ein,ein ……. was sie gerade dachte schreibe ich nun besser nicht aber ihr könnt es euch ja sicherlich denken. Hrorr hatte sich an die Felswand gelehnt und schien zu meditieren, er hatte seine Augen dabei geschlossen. Elena wich Nadine nicht von der Seite.
Nadine atmete flach manchmal war sie ihren Kopf hin und her. Man spürte regelrecht was für einen Kampf sie gerade innerlich durchmachte.
Die junge Seldi war weit weg mit ihren Gedanken sie bekam nicht wirklich mit was um sie geschah sie hörte die vertraute Stimme von Elena und die des Statthaltes von Bloodhaven, Sir Hrorr. Sie verfiel wieder in ihre Gedanken.
Rad des Schicksals halte nicht an.
Durchbrich den Zirkel des Geschehens
Der ewige Lauf der Zeit,
sind die Speichen der Unendlichkeit…….Danach verlor sie das Bewusstsein.









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Seldi en' i' Tarkenna rilis
Nadine ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2015, 20:34   #18
Branwir
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Branwir eine Nachricht über ICQ schicken
Austreibung


"Hoffen wir mal, er schluckt den Köder..."

Die Worte Hrorrs hallten noch in Branwirs Kopf nach, als er sich zu ihm und Elena hinter den großen Felsvorsprung schob.
Sein Blick fiel auf Nadine. Seine Seldi lag entkräftet und totenbleich in Decken eingehüllt auf dem steinernen Höhlenboden. Das Licht der Fackeln tanzte unruhig über ihr schmerzverzehrtes Gesicht, das den Kampf, der in ihrem inneren tobte, widerspiegelte.
Er wusste, dass ihr nur noch sehr wenig Zeit blieb. Ihre Aura war mittlerweile zu einem dünnen, kaum noch wahrnehmbaren Schleier zusammengeschmolzen und ließ erahnen, dass sie nur noch wenige Schritte von dem Namenlosen Tor entfernt war.
Branwir schluckte trocken und rang mit seinen Gefühlen. Am liebsten wäre er zu ihr gelaufen und hätte sie schützend in seine Arme geschlossen, anstatt sie in dieser feuchten, kalten Höhle halbtot auf dem Boden liegen zu lassen.
Aber es musste sein. Er wollte sie...und nur sie!
Dennoch weckten Hrorrs Worte seine Zweifel. Er wusste nicht, wie sehr der Dämon die Oberhand über die Gedanken seines Großvaters hatte. Vielleicht würde sich der Dämon in seiner Gier anlocken lassen, aber würde Ferandil nicht so schlau sein und die Falle bemerken?
Eine fast leblose Elfe auf dem Boden einer einsamen Höhle erschien ihm selber nicht allzu überzeugend, aber was sollten sie tun...es war ihre letzte Chance!

Während er noch darüber nachgrübelte, blickte er zu Hrorr und Elena.
Die beiden waren nicht gerade die ideale Unterstützung, die er sich erhofft hatte.
Auch wenn Nadine Elena mochte und ihr vertraute, konnte er seine Gefühle für sie nicht ablegen. Er misstraute ihr noch immer. Ihre freundliche Art gegenüber Nadine hatte sein Bild von ihr zwar etwas verbessert, dennoch blieben Zweifel.
Branwir musterte das kleine Mädchen, wie sie mit ihren roten Augen zu schmalen Schlitzen verengt konzentriert da stand und den Höhleneingang beobachtete.

Sein Blick wanderte zu Hrorr. Der Diplomat aus Bloodhaven erschien ihm nicht weniger merkwürdig. Das Gesicht des Elfen war größtenteils von der Kapuze bedeckt, die Hrorr, seitdem sie sich das erste Mal gesehen hatten, nie abgelegt hatte.
Abgesehen von einer auffälligen langen Narbe auf der rechten Wange, gewährte die Kapuze nur wenig Sicht auf sein restliches Anlitz.

Branwir atmete leise tief durch. Er hatte eigentlich gehofft, noch jemanden aus dem Tempel der RI als weitere Unterstützung gewinnen zu können, aber die Zeit hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
"Dann gäbe es hier wenigstens eine Lichtgestalt", dachte er bei sich und wendete seinen Blick von Hrorr und Elena ab.

Er spürte die klamme Luft und die feine magische Barriere, die Hroor und Elena um sie herum aufgebaut hatten. Sie durften keinesfalls der Bezauberung des Dämons verfallen...sie mussten dieses Mal wach bleiben!

Branwir starrte, die Arme auf sein Schwert abgestützt, den Höhleneingang an...

Es verging eine Stunde, vielleicht auch mehr, als sich plötzlich im Eingangsbereich der Höhle etwas zu regen schien.
Branwir schloss seine Hand fester um den Griff seines Schwertes und hielt den Atem an.

Die dunkle Gestalt schlüpfte fast unhörbar in die vom Licht der Fackeln schwach erleuchtete Höhle und näherte sich schleichend und sehr vorsichtig dem Körper der verletzen Elfin. Sie war eingehüllt in eine schwarze Robe und ihr Gesicht war zu einem Großteil von der tief in die Stirn gezogenen Kapuze bedeckt.
In ihrer rechten Hand schimmerte unheilvoll die spitze Klinge eines langen, gezackten Dolches, die von einem dunklen Schleier umgeben wurde. Dieselbe dunkle Aura, die sich in den vergangenen Tagen tiefer und tiefer in Nadines Körper gefressen hatte.

Wenige Schritte vor Nadines reglosem Körper hielt die finstere Gestalt inne und blickte sich verstohlen um.

"Verdammt...darauf wird er nicht reinfallen...", dachte sich Branwir und zuckte im nächsten Moment erschrocken zusammen, als er für einen kurzen Augenblick in das Gesicht seines Großvaters blicken konnte, das dieser ihm plötzlich zudrehte.
Die Gesichtszüge des alten Elfen wirkten auf das entsetzlichste entstellt. Er konnte nur noch erahnen, wie Ferandil einst ausgesehen haben mag.
Die Haut war fast schwarz und ledern, tiefe Furchen zogen sich über beide Wangen.
Darüber funkelten zwei hasserfüllte, bernsteinrote Augen.

"Es ist soweit, versperrt die Höhle!" Branwir trat aus dem Schatten heraus und rief Hrorr und Elena die Worte zu.
Die beiden stürmten hinter dem Felsvorsprung hervor und bauten sich hinter Branwirs Rücken vor dem Höhleneingang auf.
Im nächsten Moment wurde die Höhle von magischen Worten erfüllt und vor dem Höhleneingang zog sich eine steinerne Wand auf.

Branwir, der der dunklen Gestalt seines Großvaters am nächsten stand, baute sich breitbeinig hinter ihm auf und hob sein Schwert, bereit ihm das Leben zu nehmen.

Ferandil oder das, was der Dämon von ihm übrig gelassen hatte, fuhr mit einem lauten Aufschrei herum, als er begriff, dass er in eine Falle gelaufen war. Seine roten Augen blitzen Branwir agressiv an. Sein Gesicht verzog sich zu einer häßlichen Fratze, sein Mund öffnete sich weit und gab den Blick frei auf eine Reihe spitzer, weißer Zähne.

"Das ist lächerlich...ich werde...", brüllte er, hob die Hände über seinen Kopf und murmelte daraufhin einige magische Worte in elfischer Sprache, während er seinen Blick auf die Barriere vor dem Höhleneingang richtete.
Hrorr sprach im selben Augenblick einen Schutzzauber, wohl die Gedanken Ferandils erahnend und die magischen Worte des verdorbenen Elfen verhallten im Nichts.

Für einen kurzen Augenblick schien Ferandil irritiert zu sein, als ihm klar wurde, dass er dem magischen Gefängnis nicht entkommen konnte.
"Was...was ist hier...", murmelte er und ließ seine Hände sinken.
Branwir nutzte die Gelegenheit und preschte auf Ferandil zu, der aber im nächsten Moment seine Arme wieder hob, mit den Händen einen Halbkreis über seinen Kopf zog, etwas unverständliches murmelte und direkt vor sich eine Mauer aus Flammen emporsteigen ließ. Branwir hielt schützend seine Arme vor sein Gesicht und taumelte vor den heißen Flammen zurück.

"Ich habe lange darauf gewartet, mein Werk zu vollenden..."
Ferandil schrie Branwir die Worte entgegen, fuhr wieder herum und schritt entschlossen auf Nadine zu, die immer noch ohne eine Regung und vollkommen wehrlos auf dem Höhlenboden lag.
"...nun ist es soweit!"

Branwir nahm seine Arme wieder hinunter und blickte entsetzt auf seinen Großvater und Nadine, die nur noch wenige Schritte voneinander getrennt waren.

"Halt...Dur'Arkon!" Branwir brülle er dem Dämon seinen waren Namen hinterher.
Er wusste nicht, ob sein Plan funktionieren würde, aber er musste es versuchen.

Und tatsächlich...

Ferandil blieb wie angewurzelt stehen, drehte sich zögernd zu Branwir herum und starrte ihn aus seiner häßlichen Fratze an.

"Es reicht, Dur'Arkon...", wiederholte Branwir den Namen des Dämons.
"Du hast ihn lange genug benutzt...gib Ferandil endlich frei!"

Hinter Branwir trat Hrorr hervor: "Elena, mach dich bereit!" Magische Worte verließen seine Lippen und knisternde, elektrische Ladungen sprangen über seine Fingerspitzen.
Elena stürmte von der anderen Seite heran und folgte seinen Worten. Sie hob ihre Arme, sprach die ihm bekannten magischen Worte und ließ im selben Moment wie Hrorr mehrere Blitze auf den Körper Ferandils herabfallen.

Der Körper des vom Dämon entstellten Elfs zuckte und wankte, als die elektrischen Entladungen ihn durchfuhren.
Ferandil brüllte ihnen wutenbrannt seine magischen Worte entgegen und wieder tat sich ein Meer aus Flammen zwischen dem Dämon und den Dreien auf.

"Er wird schwächer..." rief Hrorr Elena zu und konzentrierte sich wieder auf den nächsten Zauber.
Elena rief einen Schutzzauber herbei um sich und die anderen beiden vor den Flammen des Dämons zu retten.

Branwir versuchte weiter zu Ferandil vorzudringen und einen Weg durch die Flammen zu finden.

Wieder zuckten Blitze von der Höhlendecke hinab und schlugen in Ferandils Körper ein.
Der verdorbene Elf schrie unter Schmerzen auf, taumelte und fiel auf die Knie.
Im nächsten Moment erloschen die Flammen, die ihn von Branwir und seinen Helfern getrennt hatten.
Branwir trat erhobenen Schwertes an seinen Großvater heran, bereit, seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Die rot leuchtenden Augen seines Großvaters funkelten ihn von unten an.

"Tu es....verdammt", fluchte Elena im Hintergrund.

Branwir holte mit seinem Schwert aus, hielt dann aber plötzlich inne und starrte seinen Großvater an.
Dessen Gesicht wurde zunehmens heller und schien fast transparent zu werden, als der Dämon begann, die besessene Hülle freizugeben.
Auch Elena und Hrorr standen für einen Moment wie gebannt da, als über dem knieenden Körper des alten Elfes etwas dunkles emporstieg.
Zuerst erkannten sie nur schemenhaft eine dunkle, undeutliche Gestalt, die sich dann urplötzlich in ein abscheuliches Ungeheur verwandelte.
Die grauenhafte Bestie, die etwa so groß war wie Branwir, breitete zwei riesige mit Krallen bewehrte Flügel aus und erhob sich mit zwei mächtigen Flügelschlägen in Richtung Höhlendecke.
Der Körper des befreiten Elfs fiel zu Boden und wurde kurz vor dem Aufprall auf dem harten Stein von Branwir aufgefangen.

Nachdem sie den ersten Schrecken überwunden hatten, bauten sich Hrorr und Elena unter dem Dämon auf, richteten ihre Hände auf ihn und ließen mit geballter Kraft eine Ladung Blitze auf das Ungetüm hinabregnen.
Der Dämon schrie gellend auf, sein häßlicher Leib zuckte in dem Meer aus Blitzen und wurde in der Luft umhergeschleudert.
Plötzlich gab es einen ohrenbtäubenden Knall und der Leib des Dämons zerbarst in einer Wolke aus schwarzem Staub.

Für einen Augenblick füllte sich die gesamte Höhle in absolute Dunkelheit...

Hrorr war der erste, der ein Wort herausbekam.
"Lithos sei gelobt!"
Elena stand mit ihrem Magierhut da und starrte die Höhlendecke an, an die eben noch das Untier seinen riesigen Schatten geworfen hatte.
Branwir kniete am Boden und hielt die reglose Hülle seines Großvaters in den Armen.

Hrorr blickte zu Nadine, die immer noch leblos am Höhlenboden lag, wie sie sie vor dem Kampf dort verlassen hatten.

"Ist sie...?" Flüsterte Elena.

"Ich weiß nicht...", erwiderte Hrorr. "Die Wunde sollte jetzt heilen."

Branwir legte seinen Großvater vorsichtig ab, sprang auf und lief zu Nadine.
Er beugte sich zu ihr hinab, nahm sachte ihren zierlichen Körper auf und stütze ihren Oberkörper an seine Brust.

"Aber...aber sie ist doch nicht...", murmelte Elena aufgebracht.

Hrorr betrachte Elena und Branwir nacheinander ernst und klopfte sich den schwarzen Staub von der Robe.

Branwir blickte ängstlich in Nadines bleiches Gesicht.
"Hey...es ist vorbei..."
Aber sie regte sich nicht.

Hrorr lehnte sich indes an den kalten Fels und betrachtete den reglosen Körper des gefallenen Elfen.
Die Gesichtszüge des alten Elfen sahen sonderbar verzerrt und uralt aus.
"Verdammter Elf", murmelte Hrorr.

"Nadine...", flüsterte Branwir und strich Nadine sanft mit seiner Hand über die Wange.
"...wach auf." Seine Stimme füllte sich langsam mit Panik, als sie immer noch nicht reagierte.

Langsam kam das Leben zurück in den Körper der jungen Elfin und Nadine kam wieder zu sich.

"Hey...wach auf!" Branwir war kurz davor, ihren zarten Körper durchzuschütteln.
"Langsam, junger Freund", fuhr Hrorr dazwischen. "Sie braucht Zeit, sich zu erholen..."
Branwir blickte erleichtert auf Nadine hinab und nickte.
"...ich dachte sie sei..."

Hrorr beugte sich zu Nadine hinab, um ihre Wunde zu untersuchen. Er schob die Decken beiseite, öffnete ihren Mantel und betrachtete den Verband.
"Hm..." Mehr kam nicht über seine Lippen.
Branwir schaute auf den Verband und verstand sofort, was er meinte. Die unheilvolle, dunkle Aura zog immer noch ihre Bahnen durch Nadines Körper. Selbst außerhalb des Verbandes war noch eine Spur davon zu erkennen.
Branwirs Augen weiteten sich vor Entsetzen. Sollte etwa alles vergebens gewesen sein?
"Verdammt, warum ist die Wunde immer noch vergfiftet...?"
Nadine flüsterte etwas in seinen Armen auf elfisch, das er nicht verstand und schloss die Augen. Panik machte sich wieder in ihm breit.

"Branwir...."

Branwir drehte sich erschrocken um. Der totgeglaubte Leib seines Großvaters regte sich.
Ferandil versuchte sich hochzustemmen, viel aber wieder entkräftet zu Boden.
Elena war kurz davor, dem alten Elf ihr Zauberbuch über den Kopf zu ziehen, hielt aber im letzten Moment inne, als dieser wieder zusammenbrach.
"Gebt dem alten doch mal was zu trinken", meinte Hrorr und blickte zu Ferandil hinab.
Elena schob dem alten Elf eine Feldflasche an die Lippen.
"Nein....nein...bitte bringt mich zu ihr", murmelte Ferandil. Er begann zu husten und nach Luft zu ringen. Blut quoll über seine Lippen.
Hroor nickte Branwir zu. "Eure Entscheidung...."
"Ich denke...die Gefahr ist gebannt", erwiderte Branwir.
"Bitte...ich muss zu ihr", flüsterte, ja flehte Ferandil fast.
Branwir nickte stumm und griff nach seinem Schwert.
"Ich achte auf sie..."

Elena stütze den alten Elfen, der unter Schmerzen stöhnend loswankte und sich neben Nadine auf Knien niederließ.
"Nun...was hast zu sagen", brummte Branwir ernst und hielt ihm sein Schwert an die Kehle.
Ferandil machte eine kurze Bewegung mit den Händen, als wollte er Nadine berühren, zog seine Hände aber wieder zurück.
Nadine, die bislang das Geschehen stumm mitverfolgt hatte, blickte ihn von unten mit schmalen Augen an.
"Es..." Ferandil hustete wieder Blut. "Es...es tut mir so unsagbar leid...Seldi...
Ihr...ihr musstet so viel Leid ertragen...
Ich weiß...dass das, was ich getan habe, nicht zu entschuldigen ist...aber ihr..."
Er hustete wieder erbärmlich.

Nadine wich seinem Blick aus und drehte ihr Gesicht beiseite. Branwir ahnte, wie sehr es ihr, nach allem was passiert war, schwerfallen musste, den Anblick Ferandils zu ertragen.

Ferandil rang nach Atem. "Ihr müsst mir glauben...ich wollte das alles nie...er hat es mit befohlen, mir es in mein Gehirn gebrannt.

Nadine blickt ihn nach wie vor nicht an, nickte aber nach einer Weile langsam.

"Ferandil...", sagte Branwir. "Ich verstehe das nicht...warum sie...wieso das alles?
"Es...es war wegen meiner Tochter. Sie hatte sich auf die Seite ihres Vaters gestellt." Er rang merklich schwerer nach Luft. "Der Zorn machte mich rasend...sie...sie war alles was ich hatte."

Nadine blickt wieder zu ihm herauf, als er diese Worte sprach. Eine Spur von Mitleid war in ihren Augen zu sehen.

"Der...der Dämon..." Ferandil hustete stark, als wenn das Blut begann, seine Lungen zu füllen. "Er hat sich an meinem Hass geweidet....hat die negativen Gefühle verstärkt...
Er hat mich dazu verleitet, Dinge zu tun, die ich nie...getan hätte, wenn..."
Er presste die Lippen zusammen und blickte zu Boden.

Nadine wandte wieder ihr Gesicht ab. Sie wusste nur zu gut, wovon er sprach...

"Aber warum ist die Wunde immer noch verflucht?" Branwir blickte seinen Großvater fragend an.
"Ganz einfach mein Junge...", erwiderte Ferandil mit einem bitteren Lächeln auf den Lippen.
"Weil der Fluch der Klinge an mich gebunden ist..."
Elena blickte Hrorr fragend an.
"Ich verstehe nicht...", erwiderte Branwir leise.
"An mein Leben...", erklärte Ferandil.

Branwirs Blick wanderte auf sein Schwert, während Hroor und Elena gespannt zuhörten.
Er spielte ernsthaft mit dem Gedanken, seinem Großvater das Schwert in die Brust zu stoßen und das bitterböse Spiel zu beenden. Plötzlich spürte er eine zarte Berührung auf seiner Waffenhand. Er blickte überrascht auf Nadines zierliche Hand, blickte dann sie an.
Die junge Elfin blickte im allessagend in die Augen.

"Nadine Morje'...", sprach Ferandil weiter, immer wieder unterbrochen durch Husten und dem Ringen nach Luft, während das Blut über seine Unterlippe lief.
"...ich weiß, was ihr erleiden musstet, aber...aber...bitte...habt erbarmen."
Der alte Elf wankte und viel fast zu Boden. Branwir legte sein Schwert zur Seite und stützte ihm mit der frei gewordenen Hand ab.
Nadine blickte Ferandil in die Augen.
"Branwir, bring ihn zu einem Heiler", sagte sie zu Branwir mit ernstem Unterton.
Bevor Branwir etwas tun konnte, fuhr Ferandil bereits mit erhobener Hand dazwischen.
"NEIN...nicht zu einem Heiler."
"Ich wünsche es...", erwiderte Nadine mit Nachdruck.
"Ein junges Leben für ein altes...", murmelte Hrorr im Hintergrund zu sich selbst.

Ferandil zog mit letzter Kraft seinen gezackten Dolch, hielt ihn dieses Mal aber an sein eigenes Handgelenk.
"Wenn ihr mich wegbringt....werde ich..." Er hustete wieder zwischendurch und hatte Mühe, den Dolch in den Händen zu halten. "...werde ich mein Leben selber beenden...ihr...ihr werdet nicht für mich sterben....
Ich wünsche nur eines..." Er hustete wieder erbärmlich und verschluckte sich immer wieder.
"...dass ihr mir vergeben könnt..."

"Nadine...er...er ist schon fast tot..." Branwir legte seine Hand auf die ihre und blickte sie ernst an.

"Ich vergebe euch...all dies...", sprach Nadine zögernd.

Kaum hatte sie die Worte zu Ende gesprochen, glitt der Dolch aus Ferandils Fingern zu Boden. Der alte Elf wankte einmal nach vorne, dann wieder zurück, schloss die Augen und fiel dann mit einem Stöhnen zurück.

Nadine schloss die Augen und wandte den Blick ab.

Branwir löste langsam seinen Griff um seines Großvaters Arm, als dieser zusammenbrach. Ferandil atmete noch einmal tief ein und verstummte dann...

Branwir blickt auf Nadines Verband.
"Da...seht...Die Wunde..."

Elena beugte sich zu Nadine hinab. Ihre Stimme erhellte sich.

"Das Schwarze...es zieht sich zurück..."
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Alt 28.10.2015, 23:45   #19
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Es hatte sich zurückgezogen, das Schwarze, das abgrundtief Böse und Dämonische.
Und auch wenn es eine ganze Zeit gedauert hatte, bis Nadine wieder vollständig genesen war, erholte sie sich bemerkenswert rasch.
Branwir und sie verbrachten einige sehr schöne Tage in Ilshenar, Nadines Heimat und genossen die Zeit zu zweit.
Eigentlich hätten sie nun glücklich sein können, aber der Frieden währte leider nur für kurze Dauer...

Branwirs Füße wirbelten trockenen Staub von der Straße auf, während er in Gedanken versunken vor dem alten Hasel her stapfte.
Das treue Tier trottete hinter ihm mit allerlei Dingen beladen in Richtung des kleinen Waldpfades, der zu dem baufälligen Haus am Meer führte, dass Branwir und sein Vater ihr bescheidenes Heim nannten.
Branwirs Gedanken beschäftigten sich, wie eigentlich schon seit Wochen, immer mit den gleichen Dingen.
Seit ihrer Rückkehr aus Ilshenar, die schon eine Ewigkeit her zu sein schien, hatten sich in Trinsic die Ereignisse überschlagen.
Es würde zu weit führen, die Geschehnisse um die Stadt, die Garde in Trinsic und damit Branwir und Nadine hier im Einzelnen aufzuführen.
Es sei nur kurz erwähnt, dass sich nach dem Tod der Gouverneurin von Trinsic der damalige Justiziar, Dexter Slare, selber zum Fürsten der Stadt ernannt hatte.
Nicht jeder sah das gerne und viele Stimmen wurden laut, die der Meinung waren, dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zu gegangen sein soll und am Ende sollten diese Stimmen Recht behalten.
Dexter Slare erwies sich als übler Gauner und schließlich stellten sich ihm Hauptmann Kjartan, Branwir und Nadine entgegen.
Andere Gardisten waren sich aber keineswegs so sicher, dass Slare der üble Schurke war, für den ihn die anderen hielten und so kam es mit der Zeit zu immer mehr Zwietracht und Misstrauen innerhalb der Garde.
Für Branwir endete es letztendlich damit, dass er Hauptmann Kjartan sein Gardeabzeichen auf den Tisch warf und der Garde den Rücken kehrte, als sich die Dinge derart entwickelten, so dass er nicht mehr guten Gewissens hinter der Garde stehen konnte.

Und da war er nun wieder – ein Schmied auf dem Weg nach Hause, im Gepäck die abgenutzten Rüstungen und Waffen seiner Kunden.
Es war nicht so, dass Branwir grundsätzlich unzufrieden mit seiner Arbeit war, aber das Zerwürfnis mit der Garde brachte erhebliche, andere Probleme mit sich.
Wie sollte er seine Aufgabe erfüllen, von der niemand in der Garde oder in seinem übrigen Umfeld auch nur ansatzweise etwas ahnte, jetzt, wo er seiner Seldi nicht mehr auf Schritt und Tritt folgen konnte.
Branwir hielt kurz inne und betrachtete den Waldpfad vor sich.
Er seufzte tief.
Dann wurde plötzlich seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt, etwas, das sich etwa hundert Meter weiter am Rande des Hauptweges auf dem Boden befand.
Er schirmte mit der Hand seine Augen gegen die blendende, untergehende Sonne ab und versuchte zu erkennen, was dort im Staub lag.
Merkwürdig – zuvor war ihm das dunkle Bündel gar nicht aufgefallen.
Er zog Hasel am Zügel zurück auf den Hauptweg und näherte sich neugierig der besagten Stelle.
Das Bündel entpuppte sich bei näherer Betrachtung als ein Mensch, der zusammengekauert, mit dem Gesicht nach unten im Dreck lag.
Branwir ließ den Zügel aus seinen Händen gleiten und beugte sich zu der Person hinab.
Er hörte leises Atmen.
Vorsichtig drehte er den Körper der in in einen langen, braunen Mantel gehüllten Person um.
Der Mantel war überseht mit Hufspuren und Branwir ahnte, was dem Mann, in dessen blutverkrustetes Gesicht er blickte, widerfahren war.
Er schien noch nicht sehr alt zu sein, vielleicht Anfang Zwanzig. Sein Haar war etwas über schulterlang und wie sein übriger Körper von einer Staubschicht bedeckt.
Der Mann ächzte und krümmte sich mit schmerzerfülltem Gesicht.
Branwir musterte den Mann besorgt von oben bis unten.
„Was ich euch passiert? Seid ihr verletzt?“
Der Mann schien ihn nicht richtig wahrzunehmen und starrte stattdessen angsterfüllt an Branwir vorbei.
„Habt ihr Schmerzen? Kann ich euch helfen? Wollt ihr etwas trinken?“
„Sind...sind sie fort?“, stammelte der Mann, wandte seinen Blick nun Branwirs Gesicht zu und klammerte verkrampft seine Hände in Branwirs Jackenärmel.
„Wen meint ihr...hat man euch überfallen?“
„Über...über mich...“, die Gesichtszüge des Mannes verkrampften sich. Er musste unter großen Schmerzen leiden.
„Ruhig, ruhig...wartet einen Moment. Ich hole euch etwas zu trinken.“ Branwir setzte gerade an, um sich zu erheben, als der Mann ihn am Ärmel zurückzog.
„Nein, nein! Wir...wir müssen von dem Weg runter!“, stammelte der Mann.
„Vor wem habt ihr solche Angst, wer hat euch das angetan?“
Während Branwir noch sprach, weiteten sich die Augen des Mannes. Die nackte Angst sprach aus seinem Gesicht.
„Da...da, da sind sie wieder!“ Der Mann streckte seinen Arm in die Richtung aus, aus der Branwir gekommen war.
Branwir fuhr herum und suchte mit seinen Augen den breiten Hauptweg ab.
„Aber...“, er kniff die Augen zusammen und suchte angestrengt nach einem Hinweis darauf, wen oder was der Verletzte am Boden meinen könnte.
„...ich sehe niemanden.“

Im nächsten Augenblick wurde es schwarz um ihn.


Als er wieder versuchte, die Augen zu öffnen, spürte er starke Schmerzen an seinem Hinterkopf.
Er konnte nicht klar erkennen, wo er sich befand.
Sein Blick wurde durch einen dichten Schleier getrübt, gerade so, als würde er sich in einer Nebelbank befinden.
Branwir tastete an seinem Hinterkopf und versuchte sich dabei von dem Bett, auf dem er lag, aufzurichten.
„Vorsicht Junge, du wurdest ziemlich übel zugerichtet, bleib lieber liegen...“
Er erkannte die besorgte Stimme neben sich und blickte zur Seite.
Trotz seiner eingeschränkten Sicht konnte er halbwegs deutlich das Gesicht seines Ziehvaters erkennen.
„Vater, wo bin ich?“
„Du bist beim Heiler in Trinsic. Ich habe dich nahe des Pfades gefunden, der zu unserem Haus führt. Was ist mit dir geschehen – kannst du dich an etwas erinnern?“
Branwir blickte den alten Mann verwirrt an. „Was meinst du mit Trinsic...und von welchem Haus sprichst du?“
Sein Ziehvater runzelte die Stirn.
„Und wieso Trinsic? Ich war auf dem Weg zum alten Bauer Cheyne, um sein Pferd zu beschlagen...“
„Branwir, was erzählst du da? Bauer Cheyne...Junge...der alte Bauer wohnt bei Britain. Den hast du das letzte Mal vor über einem Jahr...“
„So etwas kann manchmal passieren.“, mischte sich eine weitere Stimme ein.
Branwir blickte zu der ihm abgewandten Seite und versuchte den Mann zu erkennen, zu dem die Stimme gehörte.
„Euer Sohn hat ein schweres Trauma erlitten. Der Schlag auf seinen Hinterkopf muss sehr heftig gewesen sein. Möglicherweise hat sein Gedächtnis Schaden erlitten.“
„Das kann doch nicht wahr sein...“ Branwirs Ziehvater ließ sich mit fassungslosem Gesichtsausdruck in seinen Stuhl zurückfallen und starrte einen Augenblick resignierend vor sich hin.
„Aber nun gut. Wenn das so ist. Branwir...“
Branwir drehte sich wieder seinem Vater zu und wartete mit zusammengekniffenen Augen darauf, was da noch kommen sollte.
„Branwir...ich habe dir, wie es aussieht, eine ganze Menge zu erzählen.“

Branwir hörte seinem Ziehvater aufmerksam zu, soweit es seine Schmerzen zuließen.
Dieser erzählte ihm, was sich in dem letzten Jahr, seitdem er Britain verlassen hatte, vorgefallen war, hielt es aber für besser, genauere Details zu Nadine auszulassen.
„Das arme Mädchen...was sie wohl denken wird. Es wird schrecklich für sie sein“, dachte sich Nethan insgeheim und beendete seinen Bericht an der Stelle, an der Fürst Slare aus der Stadt geflohen war.
Branwir holte tief Luft. „Das ist alles nur schwer zu glauben. Es kommt mir so vor, als ob du die Geschichte einer anderen Person erzählst.“
Nethan nickte. „Das glaube ich dir. Schwer vorzustellen, wie das sich in deinen Ohren anhören muss.“
„Und was ist dann geschehen?“ Branwir schien seine Schmerzen mittlerweile komplett vergessen zu haben und blickte seinen Ziehvater mit wachen Augen an.
„Dann...dann hast du die Garde verlassen...“
„Aber...aber wieso das?“
„Das, mein Junge, das solltest du mit der Zeit besser alles selbst herausfinden.“
„Na was ist das denn jetzt für eine Antwort?“, maulte Branwir und erwiderte die Bemerkung seines Vaters mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Einerseits weiß ich gar nicht so viel darüber. Nachdem du die Garde verlassen hattest, hast du dich in Schweigen gehüllt und meintest, dass es alles seine Gründe hatte und du alles wieder geradebiegen würdest. Was du genau damit meintest, hast du mir allerdings nie gesagt. Andererseits denke ich, dass es im Moment für dich andere Sorgen gibt, als dich mit deinen Problemen der letzten Monate herumzuschlagen. Vorerst sollten wir sehen, dass wir dort oben wir alles ins Reine bringen.“, meinte Nethan nur dazu und tippte Branwir leicht mit dem Zeigefinger an dessen Stirn.
„Ich werde dich nun für ein Weilchen alleine lassen. Schlaf dich aus und komm wieder zu Kräften.“
„Aye...wie du meinst.“ Branwir spürte allmählich die Schmerzen, die sich wieder in den Vordergrund gedrängt hatten und sank mit seinem Kopf auf das Kissen nieder.

Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, als er wieder aufwachte und sich mühsam in seinem Bett aufstützte.
Die Schmerzen hatten etwas nachgelassen – das übel riechende Gebräu, das ihm der Heiler gegeben hatte, schien seine Wirkung getan zu haben.
Branwir reckte sich, schüttelte sein mit Stroh gefülltes Kissen zurecht und legte es sich in den Rücken. Abwartend verschränkte er die Arme hinter dem Nacken und schaute sich um.
Er war der einzige Patient in dem großen Zimmer und von dem Heiler war weit und breit keine Spur. Er spitzte die Lippen und pfiff leise ein Liedchen vor sich hin.
Es verging nicht viel Zeit und die Eingangstür öffnete sich langsam. Im Eingang sah er seinen Ziehvater, der die Tür für eine Person aufhielt, die mit raschen Schritten in den Raum eintrat. Die kleine, zierliche Person hatte eine auffällige, blaue Kappe auf, die ihn irgendwie an eine Dienstmütze aus der Armee erinnerte. Er hatte so etwas in der Art schon einmal bei einem Soldaten in Britain gesehen.
Außerdem war die junge Frau von einem schwach schimmernden Feld umgeben. Etwas, was er bisher nur bei Elfen gesehen hatte und er sich bis heute nicht so recht erklären konnte, zumal er der einzige zu sein schien, der diese merkwürdige Aura sehen konnte.
Daher stand für ihn außer Zweifel, dass das Geschöpf mit den auffälligen, lila Haaren, das sich mit besorgtem Blick seinem Bett näherte, zweifellos eine Elfin sein musste.
Die Elfin kam neben seinem Bett zum stehen und betrachtete ihn eine Weile still.
„Sanyasala“, sagte sie dann leise.
Branwir betrachtete sie unsicher und legte ein freundliches Lächeln auf.
„Eine Elfin als Pflegerin...und dann noch so reizend...“
Die hübsche Elfin hob eine Augenbraue und blickte ihm mit einem für ihn schwer zu deutenden Gesichtsausdruck in die Augen.

Irgendwie beschlich Branwir das seltsame Gefühl, dass er etwas anderes hätte sagen sollen...

Geändert von Branwir (29.10.2015 um 00:25 Uhr).
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Alt 04.05.2016, 07:58   #20
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Das ungewollte Erbe


Einige Monate später...

Wie konnte er sie nur vergessen und alles, was zwischen Ihnen gewesen war?
Branwir stellte sich, seitdem er sein Gedächtnis wiedererlangt hatte, diese Frage immer und immer wieder.
Am Ende wusste er aber auch, dass er großes Glück gehabt hatte. Zum einen wäre er wahrscheinlich längst, hätte ihn sein Ziehvater nicht gefunden, durch das namenlose Tor gegangen (wie die Elfen das bezeichnen, was sich die Menschen im Allgemeinen in Gestalt einer vermummten Gestalt mit Sense vorstellen), zum anderen hätte es sein können, dass er sein Gedächtnis nie wieder zurück bekommt.
Branwir versuchte sich einzureden, dass es nicht sein Verschulden war, was wohl am ehesten der Wahrheit entsprach, trotzdem machte er sich selber große Vorwürfe.
Außerdem hatte sich in der Zeit, in der er seine Erinnerungen verloren hatte, etwas ereignet, das ihm bis heute Sorgen bereitete.

Lediglich eine dünne hölzerne Wand trennte ihn und Nadine voneinander und es schien ihm, als könnte er durch die Wand hindurch noch das schwache Leuchten ihrer Aura erkennen. Er hob seine rechte Hand in ihre Richtung, als wollte er sie berühren und hielt einen Moment inne, bevor er sie wieder zurücknahm.
Anschließend stand er von dem klapprigen Bett auf, das Garon sein eigen nannte und ging leise zum Fenster der Hütte. "Der Alte lebt hier wirklich wie ein Mönch", stellte Branwir wiederholt fest und reckte seinen verspannten Nacken. Das Bett verhielt sich unter seinem schweren, muskulösen Körper wie ein schmales Ruderboot in unruhigen Gewässern.
Er hätte Nadine das Bett überlassen sollen, die hätte mit ihrem zierlichen Körper keine Probleme gehabt und hätte nicht auf dem Boden draußen schlafen müssen.
Aber sie hatte sich dazu entschlossen und war gegangen, bevor er ihrem Vorschlag etwas entgegensetzen konnte.
Branwir betrachtete sie still, wie sie dort draußen in eine Decke eingehüllt auf dem Boden schlief.
Irgendwie erinnerte in die Situation an etwas.
Während Branwir dort stand und sein Blick über Nadines weiß schimmernde Aura glitt, fiel ihm wieder ein, woran in der Ort hier erinnerte.
Er seufzte innerlich und wandte sich ab.
Es war ein wenig wie in der verfallenen Hütte damals, als sie während eines starken Regenschauers Schutz gesucht hatten.
Branwir griff nach seiner Decke, legte sie sich über den Arm und ging leisen Schrittes nach draußen. Behutsam legte er seine Decke um Nadines zierlichen Körper, so, als würde er ein warmes Nest um sie bauen.
"Kein Platz für meine Seldi.", murmelte er in Gedanken, woraufhin Nadine sich im Schlaf drehte und irgendetwas unverständliches flüsterte.
Branwir biss sich auf die Lippen. Er vergaß zuweil, wie gut Nadines Ohren waren.
Ohne ein weiteres Geräusch von sich zu geben, entfernt er sich wieder vorsichtig von ihr.

Branwir beschloss, sich auf den Wiesen Ilshennars ein wenig die Beine zu vertreten.
Wer wusste schon, wann er wieder die Gelegenheit dazu bekommen sollte.
Wieder überschatteten Sorgen seine Gedanken. Der Schlag auf seinen Kopf hatte irgendetwas zum Rollen gebracht, dass er nur schwer in der Lage war, wieder zu stoppen.
Branwir hob seine Hand, drehte sie vor seinen Augen.
Da war sie wieder, diese fremde, bläulich schimmernde Aura, die seine Hand in einen sanften Schimmer hüllte.
Er schloss die Augen und versuchte sich, zu konzentrieren.
Auch die Stimmen waren immer noch allgegenwärtig.
Waren es wirklich die Ahnen wie Garon behauptete oder womöglich doch...?
Er wollte die Gedanken beiseite schieben, Garon vertrauen, aber was, wenn es doch der Dämon war oder irgendein Überbleibsel des Bösen von ihm?
Hatte sich in dem Moment, als er seine Erinnerung in verloren hatte, das Böse einen Weg zu ihm zurück gesucht, wohl wissend, dass er die furchtbaren Ereignisse, die Nadine und er durchlebt hatten, vergessen hatte?
Dagegen sprach das wundervolle Erlebnis, das er während des tranceähnlichen Zustands, in den in Garon versetzt hatte, widerfahren war.
Aber war es wirklich seine Mutter, mit der er gesprochen hatte? Nadine hatte ihm zwar immer wieder von der Fähigkeit der Elfen erzählt, mit den Ahnen sprechen zu können, aber er hatte sich das irgendwie anders vorgestellt.
Branwir dachte an die Worte seiner Mutter: "Fürchte dich nicht, lass es einfach zu...".
Sein muskulöser Körper sackte mit den Knien zuerst auf das weiche Gras. An seinem rechten Bein surrte plötzlich eine winzige Fee aus dem Gras auf, heftig gestikulierend und in einer im fremden Spache wütend schimpfend, soviel konnte Branwir heraushören.
"Ich muss besser aufpassen, wo ich hintrete", dachte Branwir und blickte dem leuchtendem Geschöpf hinterher, während es immer noch protestierend in der Dunkelheit verschwand.
Vorsichtig strich er prüfend mit der Handfläche über das Gras, bevor er sich ganz auf den feuchten Boden fallen ließ.
Er blickte hinauf zum Himmel.
Die Nacht war erfüllt von dem leisen, melodiösem Gesang zahlreicher Vögel, die er außer an diesem geheimnisvollen Ort noch nie gehört hatte.
Der Singsang der Vögel lenkte ihn etwas von den Stimmen in seinem Kopf ab.
"Warum nur musste ich gerade diese Fähigkeit von meinem Großvater erben?"
Branwir sah vor den Sternen den Schatten einer Fledermaus vorbeisausen.
"Es wäre doch viel netter gewesen, meine Gestalt in die einer Fledermaus verwandeln zu können oder in die eines Adlers oder...".
Dennoch war er natürlich froh, dass er nun die Möglichkeit eröffnet bekommen hatte, erstmals mit seiner Mutter zu sprechen.
Müde und schwerfällig rappelte sich Branwir wieder auf und schlurfte zu Garons Hütte zurück und dachte weiter über seine Situation nach.
"Nadine hat schon Recht. Es war gut, dass wir hierher gekommen sind. Alles andere wird sich schon fügen...hoffe ich."
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Alt 16.10.2016, 22:22   #21
Branwir
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Renommee-Modifikator: 0 Branwir ist auf gutem Wege
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Der Tausch

Branwir wollte gerade sein Haus verlassen, als jemand von draußen laut an der Haustür pochte.
„Wer auch immer das ist, er wird sich kurz fassen müssen.", dachte Branwir und zog die letzten Bänder seiner Uniform zu. Es war Zeit, sich auf den Weg nach Vesper zu machen und seinen Dienst anzutreten. Branwir hoffte, dass er endlich einen Hinweis auf den Verbleib des flüchtigen Verbrechers erhalten würde, den die Stadtwache nun schon seit Monaten suchte. Allmählich machte er sich aber keine Hoffnungen mehr, zu lange war die Spur schon kalt.
Er fuhr mit der Hand über seinen Hals, dort, wo er früher sein Amulett getragen hatte.
„Ob der Mistkerl es immer noch bei sich hat...?"
Branwir wurde von erneutem Klopfen aus seinen Gedanken gerissen und einer Stimme, die dem Geklopfe energisch Nachdruck verlieh.
„Ist jemand zu Hause?!"
Branwir kannte die Stimme nicht.
„Wahrscheinlich nur wieder ein ungeduldiger Kunde, der nicht warten kann, bis mein Vater sein Geschäft öffnet.", dachte sich Branwir und öffnete die Tür.
„Seid gegrüßt, was kann ich zu so früher Stunde für euch tun?"
Er musterte die Person vor seiner Tür nur beiläufig. Eigentlich war er immer noch in Gedanken bei dem Flüchtigen.
„Seid ihr Branwir?"
Der Mann vor seiner Haustür sprach mit einem leichten Akzent, der ihm bekannt vorkam.
Als er ihn näher betrachtete, die leichte schimmernde Aura bemerkte und die spitzen Ohren sah, wurde seine Vermutung bestätigt, dass ein Elf vor ihm stand.
„Verzeiht die Störung...aber seid ihr Branwir?" Wiederholte der Elf die Frage.
„Aye...das bin ich. Und wer seid ihr, wenn ich fragen darf?"
Der Elf deutete eine höfliche Verbeugung an, bevor er antwortete.
„Es freut mich, euch kennenzulernen. Mein Name ist vorerst ohne Belang...", antwortete er geheimnisvoll. „...viel wichtiger ist der Grund für mein Erscheinen."
„Der da wäre....?"
Branwir verschränkte die Arme vor der Brust. Irgendwie erinnerte ihn das geheimnisvolle Getue des Fremden an Garon, was in seiner Magengegend ein unangenehmes Gefühl auslöste.
„Ich soll euch mitnehmen.", antwortete der Elf ohne mit einer Wimper zu zucken.
„Ähm...bitte was?"
Branwir blickte den Elf entsetzt an. Er ahnte, um was es ging.
„Seid ihr hier wegen der Prüfung hier...ist es das?"
Der Elf zog einen Brief aus seiner mit fremdartigen Symbolen bestickten Jacke hervor.
„Von einer Prüfung wurde mit nichts gesagt, aber lest am besten das hier. Vielleicht bringt das etwas Licht ins Dunkle, wie ihr Menschen zu sagen pflegt."
Branwir nahm ihm den Brief ab und winkte ihn herein.
Er blickte auf das Siegel, das sorgsam gefaltete Schriftstück verschloss und das Ziehen in seinem Magen wurde stärker.
Branwir brach das Siegel und entfaltete das Schreiben, das seine Fragen beantworten sollte.
Er hatte die Schrift schon einmal gesehen, es war die Handschrift von Nadines Vater.

„Werter Branwir,

ich hoffe, Ihr seid wohlauf.
Seid unserem letzten Treffen ist viel Zeit vergangen. Trotzdem habe ich Euch nicht vergessen und das, was ich Euch damals gesagt habe. Ich habe viel über Euch nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, Euch Gelegenheit zu geben, Euch unter Beweis zu stellen.
Auch wenn Eure Anwesenheit ursprünglich der Auslöser für das Unheil war, das meiner Tochter widerfahren ist, habt Ihr mehr für die Rettung meiner Tochter getan, als es manch anderem erfahreneren und besser ausgebildeten Mann möglich gewesen wäre.
Deshalb habe ich beschlossen, dass Ihr als das ausgebildet werdet, was die Bestimmung für euch vorgesehen hat.
Der Mann, der Euch meinen Brief übergeben hat, wird Euch zu mir geleiten, an einen Ort, der tief in Ilshennar verborgen liegt.
Es wird Euch während Eurer Ausbildung nicht gestattet sein, eure Familie oder Freunde zu sehen. Auch werdet ihr unsere Seldi in dieser Zeit nicht sehen dürfen."


Branwirs Herz krampfte sich zusammen als er diese Zeilen las. Ob ihr Vater von seiner Beziehung zu Nadine wusste? Vielleicht war es alles nur ein abgekartetes Spiel, um einen Vorwand zu finden, sie endlich zu trennen. Er hatte sich sowieso nie vorstellen können, dass ihr Vater sie die ganzen Jahre über unbeobachtet unter den Menschen hatte wandeln lassen.

„Ich werde Nadine bei gegebener Zeit alles erklären. Sie wird selbstverständlich weiterhin beschützt werden, auch wenn Ihr in Ilshennar seid. So war es schon immer.
Wenn es wirklich immer noch Euer Wunsch ist, ein Wächter zu werden, begleitet den Mann, den ich zu Euch schickte.
Und Ihr müsst es sofort tun.
Ich weiß, dass das für Euch sehr unvorbereitet kommt, aber Ihr müsst euch entscheiden.
Ihr erhaltet dieses Angebot nur einmal von mir.

Wie auch immer Ihr Euch entscheiden werdet - ich wünsche Euch die Kraft, das Richtige zu tun."


Der Brief wurde mit der geschwungenen Unterschrift von Nadines Vater beendet. Darunter zierte das Symbol mit dem Einhorn das Papier, das Nadine stets um ihren Hals trug.

Der Überbringer der überraschenden Nachrichten stand still in einer Ecke des Raumes und wartete geduldig.
„Verdammt...", knirschte Branwir mit den Zähnen und legte den Brief zu Seite.
„Ihr wirkt nicht gerade erfreut, wenn ich das so sagen darf.", sagte der Elf mit ruhiger Stimme.
Für diese Bemerkung hätte Branwir den Elf am liebsten am Schlafittchen gepackt und ihn wie einen alten Mantel an den Kleiderhaken der Garderobe gewuchtet, aber er Bote wusste es eben nicht besser.
Wie sollte der ahnungslose Elf auch wissen, dass es Branwir in diesem Moment innerlich zerriss.
„Ich habe keine Wahl...", flüsterte Branwir.
„...es muss sein...es muss für uns sein..."
Branwir wandte sein angespanntes Gesicht dem Elf zu.
„Ich werde mit euch kommen, lasst mich nur kurz meine wichtigsten Sachen zusammensuchen."
„Ihr werdet nicht viel brauchen.", entgegnete der Elf lächelnd. „Es wird euch in Ilshennar an nichts fehlen, man wird gut für euch sorgen."
Branwir wusste nicht recht, was er dazu sagen sollte und nickte nur.
Er ging hinauf in sein Zimmer und entledigte sich seiner schweren Rüstung.
„Das war ein noch kürzerer Dienst als in der Garde von Trinsic. Ich hoffe nur, dass Nadine Lady Robin alles erklären wird, wenn sie von alledem hört.", dachte Branwir als sein Blick auf das Wappen Vespers fiel, das seine Rüstung schmückte.
Bevor er mit dem Elf das Haus verließ, kritzelte Branwir noch ein paar Zeilen für seinen Vater auf ein Stück Papier, mit der Bitte, sich nicht zu sorgen und Nadine zu sagen, dass er sich bald melden würde.

Draußen standen zwei prächtige, große Pferde, die fertig gesattelt auf sie warteten.
Branwir hielt kurz inne bevor er das für ihn bestimmte Pferd bestieg und blickte zur kleinen Schmiede rüber, die er und sein Vater im Vorhof errichtet hatten.
Branwir atmete tief ein. Die Stimmen in seinem Kopf wurden wieder lauter. Er schloss die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren.
Vielleicht würden ihn die Elfen auch lehren, wie er endlich die Stimmen seiner Ahnen beherrschen kann.
Er konnte sich seine Chancen ausmalen, jemals ein Wächter zu werden, wenn er das Problem nicht in den Griff bekommen würde.
Aber es würde schon werden. Irgendwie hatte er es bisher immer geschafft.
Er wusste nur eines mit Sicherheit, während er seine Augen von der Schmiede abwandte - es war endgültig an der Zeit, den Hammer gegen das Schwert zu tauschen...
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Alt 04.12.2016, 17:04   #22
Nadine
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Renommee-Modifikator: 14 Nadine ist auf gutem Wege
Nadine saß noch immer im Bürgerhaus in der Taverne sie starte die meiste Zeit nur vor sich hin.
Sie lauschte dem Gespräch des Hauptmanns und dem Gouverneur von Trinsic nicht wirklich, sie vernahm das Gespräch mehr nur als ein rauschen in ihren spitzen Ohren war.Nadine hob ihren Kopf als sie Geräusche an der Tür vernahm , ihr erster Gedanke.....Branwir....sie erhob sich anmutig von ihrem Stuhl und eile zur Tür.Die zierliche Elfe spürte die Blicke des Gouverneurs und des Hauptmanns in ihren Rücken als sie so plötzlich zur Tür eilte und sie öffnete.Ihre zarten Gesichtszüge verfestigten in dem Moment der Enttäuschung als sie einen Fremden Mann vor sich sah der sich später als Sir Belenus aus dem Coy vorstellte und nicht Branwir wie sie es sich gewünscht hätte.

Sie starrte ihn an und es tat ihr leid dass sie dies tat.Die junge Elfe versuchte sich nichts anmerken zulassen und begrüßte den Fremden auf elfisch mit einem Sanyasala und deutete eine elegante Verbeugung an und gewährte dem Fremden Einlass und setzte sich wieder auf ihren Platz.
Es wurde getrunken und geredet über den Handel, die Seefahrt und bekannten Ritter aus Yew.

Die junge Seldi hatte ständig ihre zarten Finger an ihrem Amulett welches das Zeichen ihrer Familie darstellte. Sie hatte ein ungutes Gefühl in sich und sie spürte das etwas nicht stimmte.
Sie hatte gehört das Gath Farlin auch hier war und die Taverne besucht hatte.Die junge Elfe verdrängte die Gedanken daran.
Sie stand auf und ging zum Hauptmann Kjartan der sie sorgenvoll betrachtete er kannte die eigensinnige Elfe lange genug um zu merken das sie etwas bedrückte.“Ich gehe nach Hause“ sagte sie leise „und wünsche euch einen schönen Abend..“Nadine drehte sich schnell weg und verließ das Bürgerhaus.Sie schloss ihre Augen und atmete tief durch und lauschte einen Moment in die Nacht hinein und ritt nach Hause.

Sie öffnete die Tür und blickte auf die sie Gesichter an der Tür, die sich anblickten und nur noch ein leises „die Seldi ist da“ von sich gaben und zurück zogen.Nadine blickte auf die Tür und sie ahnte das etwas nicht so ist wie es sein sollte, denn die beiden Gesichter waren sonst so Gesprächig und wussten immer was um Nadine herum passierte.Die junge Seldi blickte sie auffordernd an.“Los sprecht, was ist hier los?!“Ihr verheimlicht mir doch was.“dabei hatte sie ihre zarten Hände zu Fäusten geballt.Die Gesichter zeigten sich nicht mehr und Nadine atmete tief durch.Sie ging hinein legte das Cape ab und ging nach oben ins Bad um sich frisch machen. Sie wusch sich das Gesicht und betrachtete sich still im Spiegel und berührte mit den Fingerspitzen ihr Symbol um den Hals.Nadine wechselte dann vom Bad ins Schlafzimmer blickte auf das leere Bett.Die junge Elfe wendete sich ab und ging nach unten in den Garten an den Brunnen, stützte sich auf ihre Arme an den Rand und blickte in das Wasser.Es dauerte eine Weile bis sich ihr ein Bild zeigte sie hoffte Branwir zu erblicken,aber ihr Wunsch blieb unerfüllt sie sah ihren Vater , Garon der mit ihm redete und einen anderen Elfen den sie nicht kannte.Ihr Vater blickte nach einer Weile genau in ihre Richtung als wüsste er das sie ihn beobachtete.


Der jungen Elfe schossen 100 Gedanken durch den Kopf.Hatte der Dämon wieder zugeschlagen der ihr schon mal so übel mitspielte und sie beinahe durch das Namenlose Tor gegangen währe??Garon bei ihrem Vater? Wusste er etwas wo er besser nicht wissen sollte? Sollte die Drohung von Garon wahr werden das er Nadine gegen ihren Willen nach Hause holen wolle wie er es ihr schon so oft androhte?? Aber das würde er doch nicht machen, dachte sie.Er ist doch mein Mentor und in ihrer Kindheit oft Vaterersatz wenn ihre Eltern wie so oft auf Reisen waren.Er hatte Nadine sehr gerne auch wenn er es nicht so zeigte und auch sonst immer so mürrisch war.Sie spürte deutlich das ihr Vater und Garon wussten wo Branwir ist.“warum tut ihr mir das an!?!?“ rief sie und zerstörte das Bild im Brunnenwasser mit den Fingern als die Tränen über ihre Wange kullerten.Nadine ging wieder hinein und packte ein paar Sachen in eine Tasche.Sie hoffte das Branwirs Mutter eine wachsames Auge auf ihn hatte und ihn führte auf sicherem Wege.
Sie nahm noch ein Stück Pergament und schrieb an Hauptmann Kjartan einen Brief,

Sanyasala Hauptmann,

ich möchte euch unterrichten das ich nach Ilshenar reise und nicht weiß wann ich wider zurück bin.
Bitte seit auf Branwir nicht böse, es ist meine Schuld das er nicht da ist .Bitte passt auf euch und Lady Robin auf.


Gez.
Nadine Morje


Sie übergab den Brief einen Boten und verließ dann das Haus und machte sich auf nach Ilshenar um Antworten auf Ihre Fragen zu bekommen.
__________________
Seldi en' i' Tarkenna rilis
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Alt 01.08.2017, 21:24   #23
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Der kleine Wicht

Das schützende Leder an seinem Unterarm fing den Schlag auf und dämpfte den Schmerz, trotzdem spürte Branwir, dass er wieder einen blauen Fleck davon tragen würde. Er konnte es nicht fassen. Dieser kleine Wicht hatte es nicht nur erneut geschafft, seinen Angriff zu parieren sondern war dann blitzschnell aus seinem Blickfeld entwichen, um im nächsten Moment mit der stählernen Klinge seinen Arm zu erwischen.
Branwir spürte das Gefühl aus seiner Hand entweichen und ließ sein Schwert polternd zu Boden fallen.
"Kommt Branwir...wir sind noch nicht fertig."
Der kleine Wicht schob die Spitze seines Schwertes unter Branwirs Klinge und ließ das Schwert gekonnt in die Luft wirbeln.
Branwir war gerade so in der Lage, sein Schwert aufzufangen.
Sein Arm war immer noch wie gelähmt.
Gequält blickte er den kleinen Wicht an.
"Blickt nicht so drein...seit lieber froh, dass es nur ein Übungsschwert war. Sonst hätte euer Arm neben eurem Schwert gelegen.
Der kleine Wicht hieß eigentlich Aevaril und das, was er Branwir Tag für Tag durchmachen ließ hatte recht wenig mit dem gemein, was Nadine Branwir über die Art und Weise erzählt hatte, wie Elfen kämpfen würden.
"Ihr wollt doch ein Wächter der Seldi werden, also reißt euch zusammen und kämpft weiter!"
Branwir folgte seinen Worten und brachte sich in Position.
"Wenn der kleine Wicht das noch einmal fertig bringt...", dachte Branwir zähneknirschend.
Er nannte Aevaril insgeheim "kleiner Wicht", um sich so wenigstens in seinen Gedanken für die fiesen kleinen Finten, die Aevaril in seinem Repertoire hatte, ein bisschen Genugtuung zu verschaffen.
Je nach Gemütslage wurde das Wort "kleiner" durch Wörter wie mieser oder ähnliches ergänzt.
Und das war noch das Harmloseste.
Der kleine Wicht war tatsächlich sehr klein. Seine Statur wirkte sehr gebrechlich - was natürlich eine vollkommene Fehleinschätzung war, dennoch erinnerte Aevaril Branwir manchmal an Nadine und ihre zarte Statur.
Nur hatte diese ihm niemals solche Schmerzen bei ihren gemeinsamen Übungen bereitet.
Nun war das Ziel eines jeden Übungskampfes in diesem Fall etwas anderes als damals in der Kaserne von Trinsic.
Es ging nicht mehr nur darum einen Gegner einfach kampfunfähig zu machen und das am besten so "schonend" wie möglich (Nadine hatte versucht, Branwir die Sichtweise der Elfen nahe zu bringen, nach der man den Gegner nur in der allergrößten Not umbringen soll).
Es ging hier um die Verteidigung der Seldi. Aevaril hatte da eine ganz andere Philosophie als Nadine und auch in Hinblick auf Branwirs Situation zeigte er wenig Mitgefühl.
"Hört zu, Branwir...", hatte er zum Beginn der Ausbildung zu ihm gesagt. "Ich werde euch so behandeln, als wärt ihr ein Elf. So, als wärt ihr von klein auf an auf eure Aufgabe vorbereitet worden.
Euch mag das unfair erscheinen, aber ihr habt viel nachzuholen."
Mit diesen Worten hatte er Branwir das - damals noch hölzerne - Übungsschwert gereicht.
Nach wenigen Tagen wurde das Holzschwert gegen ein stumpfes Schwert aus Stahl getauscht.

Branwir schloss kurz die Augen und versuchte das Amulett um seinen Hals zu spüren, das nun nicht mehr da war.
Auch zu den Wächter-Amuletten, wie Aevaril sie nannte, hatte dieser seine eigene Meinung.
Während Garon der Meinung gewesen war, dass die Wächter ihre Amulette zwingend bräuchten, weil sie einen Großteil ihrer Macht aus diesen schöpften, hielt Aevaril sie für überflüssigen Tant, den man sich bestenfalls für gehobene Anlässe als Beiwerk zur feinen Abendgarderobe aufbewahren konnte.
"Alles Unfug!" Hatte er dazu gesagt, als Branwir einmal gewagt hatte, auf seine Situation hinzuweisen. "Seht ihr an mir ein Amulett... irgendwas, das darauf hindeutet, dass mein Können irgendwie magisch beeinflusst wird?"
"Arroganter kleiner Wicht...", hatte Branwir am Abend nach diesem Übungstag vor sich hin gezischt, während er seine Wunden leckte. "Wie alt ist dieser verdammte Elf eigentlich? Zweihundert, Dreihundert...? Der Wicht hat doch schon mehr Kämpfe ausgefochten als alle Gardisten Vespers zusammen. Da kann er gut reden..."

Nun jedenfalls stand Branwir da.
Ohne Amulett. Dafür aber mit jeder Menge Stimmen in seinem Kopf, die unaufhörlich um seine Aufmerksamkeit buhlten.
Mittlerweile war es nur noch ein leises Murmeln, vergleichbar mit einem schmalen Gebirgsbach, der leise draußen vor dem offenen Fenster vorbei fließt - so viel hatte Branwir schon erreicht.
Trotzdem waren sie immer noch stets da und störten seine Konzentration.

"Denkt daran, was ich euch beigebracht oder zumindest versucht habe beizubringen. Denkt nicht zu viel nach. Versucht instinktiv zu handeln und verschwendet keine Kraft.
Wenn ihr einem Angriff mit mehreren Gegnern ausgesetzt seid, werdet ihr schnell an eure Grenzen kommen, wenn ihr bei jedem Schlag eure gesamte Kraft einsetzt. Außerdem ist es nicht nötig, eure Gegner in der Mitte zu spalten wie einen Baum. Ihr müsst ausdauernd und geschickt sein."
Aevaril ließ sein Schwert entspannt an der Seite hängen, als würde er gar nicht erst daran glauben, dass Branwir ihm auch nur im Ansatz gefährlich werden könnte.
Branwir indes versuchte, den Schmerz in seinem Unterarm zu ignorieren und ging langsam auf Aevaril zu, die Schwertspitze auf ihn gerichtet.
Als er dem kleinen Wicht nah genug gekommen war, holte er zum Schlag mit seinem Schwert aus.
Dieses Mal bemühte sich Branwir gar nicht erst, Aevaril zu treffen sondern wartete dessen Reaktion ab. Er kannte das Spiel schon zu genüge. Ein halbes Jahr lang hatte er sich von dem kleinen Wicht verprügeln und schlagen lassen.
Aber er hatte das nicht ohne Sinn und Verstand über sich ergehen lassen, er hatte daraus gelernt.
Er hatte sich die kleinen, kaum wahrnehmbaren Bewegungen und Andeutungen eingeprägt, die der kleine Wicht machte, bevor er sein Ziel mit blitzschnellem Tempo traf.
Aevaril reagierte wie Branwir es erwartet hatte und konterte den Angriff. Branwir wich dem Schwerthieb aus, aber nur so weit, dass das Schwert Aevarils ihn gerade noch am linken Arm streifte. Branwir jaulte auf, kam ins Straucheln und fiel ungeschickt vorn über.
Der kleine Wicht ließ sein Schwert sinken.
"Aber, aber Branwir, da habt ihr schon mehr eingesteckt, das könnt ihr doch..."
Zu mehr kam er nicht.
Branwirs Schwert erwischte ihn mit voller Wucht in der Kniekehle und während Aevaril überrascht zu Boden ging, war Branwir zu ihm vorgestoßen und begleitete den Fall des kleinen Wichts mit der Schwerzspitze an dessen Kehle.
"Wäre das kein Übungsschwert, hätte ich es euch sofort in die Kehle gestoßen..." sagte Branwir mit überzeugendem Ton zu Aevaril als dieser am Boden lag.
Der kleine Elf ließ sein Schwert aus der Hand gleiten und klatschte langsam in die Hände.
"Ich bin...angenehm überrascht. Endlich habt ihr verstanden was ich meinte. Bedauerlich ist nur, dass ihr euren Schutz dabei vernachlässigt habt und ich euch ernsthaft hätte verletzen können."
"Nun ja...das habt ihr aber nicht. Und selbst wenn...im Ernstfall hätte ich meinen linken Arm geopfert, um unsere Seldi zu schützen, hätte den Angreifer aber getötet..."

Am Abend kamen ihm seine Worte nochmals in den Sinn, als er seine blauen Flecken vor dem Spiegel betrachtete. Der alte Schwertmeister hatte ihn nicht noch einmal zum Zuge kommen lassen und ihn wieder nach Strich und Faden verprügelt.
"Ich würde noch viel mehr für dich opfern als nur meinen Arm." Er betrachte sich still im Spiegel.
"Ich tue das alles nur für dich und damit wir irgendwann wieder zusammen sein können..."
Insgeheim hoffte Branwir, Nadine würde in ihrem verzauberten Garten vor ihrem Brunnen stehen und sehen, was er gerade durchmachte. Er wusste nicht, ob sie in der Lage sein würde, ihn zu hören...aber er hoffte es.
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